Buchvorstellungen im Lehrercafe – „HYGGE“ von Louise Thomsen Brits

Dass die Dänen das glücklichste Völkchen unter uns Europäern sein sollen, haben wir schon unzählige Male gelesen. Doch wie schaffen sie es? Und lässt sich dieses „glücklich sein“ auch auf Schule übertragen?

Zum Buch      Ein kleines Buch, welches einem schon beim Anschauen des Covers warm ums Herz werden lässt, erklärt es. „Hygge“ von Louisa Thomas Brits ist ein wunderschönes in kurzen Kapiteln verfasstes Büchlein, welches den Begriff Hygge zunächst erklärt. Der Autorin gelingt dieses sehr gut, kein Wunder, ist sie doch halb Dänin (und halb Engländerin). Man merkt als Leser sofort, wie sehr sie die dänische Lebensweise verinnerlicht hat (sie hat wohl jeden Sommer ihrer Kindheit in Dänemark verbracht) und fühlt sich unweigerlich von ihren Zeilen in den hyggeligen Bann gezogen. Nach einleitenden Worten geht Louisa Thomas Brits in den nachfolgenden einzelnen Kapiteln dazu über, dem Leser näher zu bringen, wie er selbst es sich hyggelig machen kann. Zugehörigkeit, Rückzugsorte, Gemütlichkeit, Wohlbefinden, Einfachheit, Achtsamkeit usw. – so überschreibt die Autorin die einzelnen Texte und beschreibt mit ihnen Situationen, wie der Däne es schafft, es sich gemütlich zu machen, sich wohl zufühlen, herunterzukommen vom Alltag, einzutauchen ins Glück, ins Wohlbefinden. Dazu taucht man als Leser in Alltagssituationen ein und erfährt kurz und prägnant, aber dennoch sehr warmherzig beschreibend, mit welcher Leichtigkeit man sein Leben angenehmer und wohlbefindlicher gestalten kann. Man benötigt keine großen Anstrengungen oder Umräumaktionen dazu, man benötigt lediglich den Willen zu Hygge und die Bereitschaft. Jeder kann Hygge lernen, und fasst möchte ich nach dem Lesen des Büchleins sagen, jeder muss Hygge lernen. Wer Hygge lebt, dem geht es einfach besser, der ist in der Lage, sich selbst und seine Angehörigen zu entschleunigen und das Leben zu genießen. Hygge ist sehr leicht anzuwenden, das merkt man als Leser bei jeder weiteren gelesenen Seite. Die Tipps der Autorin sind auch für den Leser schnell umsetzbar. Es geht darum, einen Tisch schön zu gestalten, eine Kerze zum Essen brennen zu lassen, ein Lieblingsgetränk anzubieten, freie Zeit einzuräumen, das Handy auszuschalten, das Wochenende von der alltäglichen Arbeit freizuhalten oder morgens gemeinsam mit der Familie zu frühstücken. In frei gewordenen Zeiten ist es jedem selbst überlassen, wie er zu Hygge kommt, ob nun durch einen Spaziergang, eine Wellnessanwendung oder ein gutes Buch. Herauslesbar ist aber immer wieder, dass Hygge eintritt, sofern man mit Gelassenheit und Ruhe, mit Freundlichkeit und Gemütlichkeit sein Leben gestaltet und vor allem gemeinsam mit anderen Menschen, die man gern um sich hat, die man mag. Aufgelockert werden die Texte durch dänische Zitate oder Sprichwörter, die darunter ins Deutsche übersetzt wurden. Man lernt dadurch eine Menge über die Dänen, passende Hintergrundinformationen gibt’s gratis am Ende des Buches. Stilvolle in schwarz/weiß gehaltene Fotografien unterstreichen die Inhalte der Texte und lassen einen als Leser sogar währen des Lesens einen Moment verharren.

Wie lässt sich Hygge auf Schule übertragen?

Wer das Buch gelesen hat, dem geht es anschließend nur gut. Also ist es sinnvoll, das Buch auszugsweise vielleicht auch mit Schülern zu lesen und zu diskutieren, dann geht es auch den Schülern gut. Als Lehrer kann man es aber auch im Klassenraum hyggeliger werden lassen. Je nach Schulform und/oder Altersklassen der zu unterrichtenden Klientel kann man entweder mit den Schülern gemeinsam überlegen, wie man mehr Wohlbefinden in den Klassenraum hineinbekommen kann oder mit den Schülern auch mal gemeinsam Dekorationsgegenstände herstellen. Lernen soll Spaß machen und nachhaltig wirken. Und genau dem wirkt häufig ein ungemütlicher Lernort entgegen.

Hygge kann man lernen! Also auf zur Hygge-Lernstunde. Wir haben in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht, z.B. auch mit einem Gastbeitrag von lehrermomente, wie man den Unterricht in den letzten Schulstunden interessant gestalten kann. Alexa und ich haben uns daher mit unseren Schülern Hygge vorgenommen und in einem Hygge-Projekt mit den Schülern gemeinsam Passagen aus dem Hygge-Buch gelesen, Dänemark in seiner Lebensweise erforscht, die Zitate und Übersetzungen aus dem Buch in Schönschrift und mit Verzierungen versehen auf große Leinwände bzw. Plakate gebracht, die Umgestaltung der Klassenräume auf Papier geplant und eine Umsetzung für die erste Schulwoche geplant.

Wirklich alle Schüler waren begeistert von dieser Projektidee. Auch sie wollen sich wohlfühlen in der Umgebung, in der sie so viele Stunden des Tages verbringen. Und – sie fanden diese letzten Schulstunden als die schönsten des gesamten Schuljahres. Ja, da geht das Lehrerherz so richtig auf.

Wir würden uns sehr wünschen, dass mehr und mehr Deutsche sich der im Buch beschriebenen Lebensweise annehmen würden und die Ellbogengesellschaft sich mehr und mehr abschwächt. Und wir würden uns wünschen, dass sich viele unserer Kollegen darüber Gedanken machen würden, in welcher Umgebung ihre Schützlinge lernen.

Von daher, lest dieses Buch und verschenkt es an alle, die ihr kennt.

 Wir sprechen hiermit eine absolute Kaufempfehlung aus.

Folgende Informationen zum Buch stehen für euch zur Verfügung:

9783442393176_Leseprobe

Einen herzlichen Dank an den Random Verlag, der uns das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Gelesen habt ihr meine eigene und ganz ehrliche Meinung.

Liebe Grüße aus dem Lehrercafe, eure Alexa und Ela Kaffeetasse

 

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5 Gedanken zu “Buchvorstellungen im Lehrercafe – „HYGGE“ von Louise Thomsen Brits

  1. Danke für diese Vorstellung. Scheint ganz meine Welt zu sein.
    Ich habe das Glück gehabt, dass meine Klassenräume meist groß genug waren für eine kleine Eckbank ( selbst ersteigert) mit selbst genähten Kissen und eine Kuschelecke. Oft habe ich Drachen an die Decke gehängt trotz Brandschutzvorgaben. Es gibt auch noch solche Kleinigkeiten wie einen Föhn, um nach dem Schwimmen oder leichtem Regen in der Pause sich gegenseitig die Haare zu föhnen. Und anständige Handtücher statt Papierlappen. Für eine Wäscheleine mit persönlichen Fotos ist auch an jedem Fenster Platz. Auch das gibt ein familiäres, gemütliches Gefühl. Meine Schüler haben nicht weniger gelernt, nur weil ich ihnen die Zöpfe neu geflochten habe. Man kann ja auch dabei reden.

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