Buchvorstellungen im Lehrercafe – „HYGGE“ von Louise Thomsen Brits

Dass die Dänen das glücklichste Völkchen unter uns Europäern sein sollen, haben wir schon unzählige Male gelesen. Doch wie schaffen sie es? Und lässt sich dieses „glücklich sein“ auch auf Schule übertragen?

Zum Buch     Erziehung – ein Grundbaustein, auf den jede/r Erzieher/in und jede/r Lehrer/in gern aufbauen würde, wenn ein Kind (zumindest stundenweise) aus der elterlichen Fürsorge entlassen eine pädagogische Institution besucht. Doch allzu oft denken wir Pädagogen darüber nach, welche Art von Erziehung bei dem ein oder anderen Kind wohl zu Hause stattfindet und manchmal sogar, ob es sich überhaupt noch bei dem, was dem Kind zu Hause widerfährt, überhaupt noch um Erziehung handelt. Sehr häufig geben so einige Eltern die Erziehung ihrer Kinder auch gern mal ganz ab in die pädagogisch ausgebildeten Hände, und nicht allzu selten haben wir Pädagogen es auch mit Eltern zu tun, die jegliche institutionäre Erziehungsarbeit von Grund auf anzweifeln und besserwisserisch Elternabende besuchen oder Pädagogen mit unzähligen Beschwerdebriefen und Telefonaten überhäufen.
Ich habe ein tolles Buch gefunden, welches es wert ist, zum Thema Erziehung hier auf diesem Blog vorgestellt zu werden. Simone Kriebs beschreibt in ihrem Buch: „Die entspannte Familie – Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht“, dass es bei Erziehung auf die innere Haltung ankommt und dass die drei Fundamente für ein harmonisches Zusammenleben in einem offenen Herzen, einer Begegnung auf Augenhöhe und einem Vertrauen in natürliche Entwicklungsprozesse zu finden sind. Als Mutter zweier Kinder und langjährig berufserfahrener Familientherapeutin ist ihr mit diesem Buch ein lebensnaher Erziehungsratgeber gelungen, der auf eine erfrischende Weise Erziehung in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.
Rezension „Sind sie nicht schlimm, die Gespräche in Krabbelgruppen, Kindergärten und Schulen, in denen Eltern regelmäßig über die neuesten Trends der optimalen Förderung ihres Nachwuchses wetteifern?“ – ein Einstiegssatz, der den Nagel auf den Kopf trifft und mich, selbst Pädagogin und Mutter, wie die Autorin, sofort anspricht und mich das Buch auch über den Klappentext hinaus lesen lässt.
Simone Kriebs führt in vier großen Kapiteln (1 Was unsere Kinder brauchen, 2 Was man über das Gehirn zum Thema Erziehung wissen muss, 3 Stolpersteine in Familien, 4 Anregungen für eine entspannte Familie) durch einen Ratgeber, den jeder lesen sollte, der auf der Suche nach gesunden Tipps für die Erziehung seiner Kinder ist. Den Stress des Alltags, besser des Erziehungsalltags, vergleicht sie mit Elefanten, die es zu vertreiben gilt, allerdings auf eine entspannte Art und Weise. Aus dem eigenen erzieherischen Alltag ihrer eigenen Kinder berichtet die Autorin auf eine unheimlich nette, aber auch souveräne und vor allem amüsante Art und Weise, wie wichtig es ist, sich innerhalb einer Familie zu respektieren. Familienleben bedeutet für sie nicht, gegeneinander zu sein, sondern miteinander und nicht autoritär. Sich gegenseitig zu wertschätzen stellt sie als große Wichtigkeit heraus. Dass es nicht ohne Erziehung, sprich Regeln und sonstigen gesellschaftlichen Werten und Normen geht, stellt die Autorin zwischen den Zeilen unweigerlich dar. Allerdings kristallisiert sie anschaulich heraus, das Erziehung nichts mehr mit Führung oder Autorität zu tun haben darf und stellt gängige Erziehungsmodelle dabei gelungen auf den Prüfstand.
Ihrer Meinung nach, sind Kinder als individuelle Persönlichkeiten zu betrachten und zu behandeln. Sie haben ihre ganz eigenen Bedürfnisse, die es zu respektieren gilt und deren Wünsche es zu befriedigen gilt. Treten in der Erfüllung dieser Dinge Konflikte auf, ist dem gesamten Buchtext untermauert: „Mach nicht aus jeder Mücke einen Elefanten!“
Und damit hat die Autorin Recht. Wir sollten uns angewöhnen, entspannter durchs Leben zu gehen. Wir sollten unsere Kinder als mündige und eigenständige Lebewesen betrachten und nicht ständig an ihnen herumnörgeln. Wenn unsere Kinder später selbständig und selbstbestimmt ihr Leben gestalten und bewältigen sollen, dann müssen wir ihnen auch etwas zutrauen. Und das wiederum gelingt nicht ohne Vertrauen und ohne Fehler, die im Leben nun mal passieren. Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Es wäre allerdings sinnvoller, darüber nachzudenken, warum das jeweilige Kind welche Fehler macht, anstatt es permanent auszuschimpfen oder ihm mitzuteilen wie wertlos oder nutzlos es sei.
Wenn wir das Kind respektieren, respektiert es auch uns. Und wenn wir uns liebevoll umeinander kümmern und uns eine wertschätzende (innere) Haltung an den Tag legen verbunden mit einer gewissen Portion Neugierigkeit auf den Anderen, dann klappt es auch, die emotionalen Herausforderungen des Alltags zu meistern.
Die Erziehung der Kinder ist ein Prozess, der eine Art Entwicklungsprozess darstellt zwischen Eltern und Kindern. Das begreift man, wenn man dieses Buch gelesen hat. Das System „Familie“ wird von jedem, der ihr angehört, anteilig beeinflusst. Wir Eltern geben dabei die Spielräume vor, können sie erweitern oder aber auch einengen. Wem es gelingt, dieses Familiensystem aus einem entspannten Blickwinkel zu betrachten, hat das Buch und damit sein Ansinnen verstanden.
Der ein oder andere wird vielleicht nicht alles im Buch Geschriebene unterstreichen können oder wollen, wird nicht allen Lösungsvorschlägen entsprechen. Gerade in unserer so gern beschriebenen Leistungsgesellschaft wird so manch ein Leser sich auf die Grenzen, die es zu erlernen und einzuhalten gilt, hinweisen wollen. Jedes Elternteil sollte sich diese Grenzen auch bewusst beibehalten und die traditionellen Normen und Werte unserer Gesellschaftsordnung sicher auch nicht aus den Augen verlieren beim Lesen. Betrachtet man das Buch allerdings als einen Impulsgeber für eine stressfreie Erziehung, für das Anstreben eines entspannten Familienlebens und als Mutmacher, auf sein Kind zu vertrauen und die eigene Gelassenheit, die man hoffentlich im bisherigen stressigen Leben noch nicht abgelegt hat, zu stärken und der Sichtweise, dass es nicht immer nur einen sondern mehrere Wege im Leben zum Erreichen eines Ziels gibt, dann hat man das Buch verstanden und nutzt es für seine eigene familiäre Zukunft und macht nicht mehr allzu oft aus jeder Mücke einen Elefanten.
Ich spreche für dieses Buch eine absolute Kaufempfehlung aus, da es Horizonte eröffnet in der Welt der Familie und der Erziehung unserer Kinder. Es ist nicht nur geeignet für Eltern und ihre eigenen Kinder, sondern auch für Pädagogen, mit oder ohne eigene Kinder. Erziehung findet nicht nur zu Hause und in Familie statt, Erziehung im Alltag findet an so vielen anderen Orten und durch zahlreiche andere Menschen statt, die nicht Eltern der Kinder sind, die es zu erziehen gilt.
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Liebe Grüße aus dem Lehrercafe, eure Ela

Wie lässt sich Hygge auf Schule übertragen?

Wer das Buch gelesen hat, dem geht es anschließend nur gut. Also ist es sinnvoll, das Buch auszugsweise vielleicht auch mit Schülern zu lesen und zu diskutieren, dann geht es auch den Schülern gut. Als Lehrer kann man es aber auch im Klassenraum hyggeliger werden lassen. Je nach Schulform und/oder Altersklassen der zu unterrichtenden Klientel kann man entweder mit den Schülern gemeinsam überlegen, wie man mehr Wohlbefinden in den Klassenraum hineinbekommen kann oder mit den Schülern auch mal gemeinsam Dekorationsgegenstände herstellen. Lernen soll Spaß machen und nachhaltig wirken. Und genau dem wirkt häufig ein ungemütlicher Lernort entgegen.

Hygge kann man lernen! Also auf zur Hygge-Lernstunde. Wir haben in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht, z.B. auch mit einem Gastbeitrag von lehrermomente, wie man den Unterricht in den letzten Schulstunden interessant gestalten kann. Alexa und ich haben uns daher mit unseren Schülern Hygge vorgenommen und in einem Hygge-Projekt mit den Schülern gemeinsam Passagen aus dem Hygge-Buch gelesen, Dänemark in seiner Lebensweise erforscht, die Zitate und Übersetzungen aus dem Buch in Schönschrift und mit Verzierungen versehen auf große Leinwände bzw. Plakate gebracht, die Umgestaltung der Klassenräume auf Papier geplant und eine Umsetzung für die erste Schulwoche geplant.

Wirklich alle Schüler waren begeistert von dieser Projektidee. Auch sie wollen sich wohlfühlen in der Umgebung, in der sie so viele Stunden des Tages verbringen. Und – sie fanden diese letzten Schulstunden als die schönsten des gesamten Schuljahres. Ja, da geht das Lehrerherz so richtig auf.

Wir würden uns sehr wünschen, dass mehr und mehr Deutsche sich der im Buch beschriebenen Lebensweise annehmen würden und die Ellbogengesellschaft sich mehr und mehr abschwächt. Und wir würden uns wünschen, dass sich viele unserer Kollegen darüber Gedanken machen würden, in welcher Umgebung ihre Schützlinge lernen.

Von daher, lest dieses Buch und verschenkt es an alle, die ihr kennt.

 Wir sprechen hiermit eine absolute Kaufempfehlung aus.

Folgende Informationen zum Buch stehen für euch zur Verfügung:

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Einen herzlichen Dank an den Random Verlag, der uns das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Gelesen habt ihr meine eigene und ganz ehrliche Meinung.

Liebe Grüße aus dem Lehrercafe, eure Alexa und Ela Kaffeetasse

 

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7 Gedanken zu “Buchvorstellungen im Lehrercafe – „HYGGE“ von Louise Thomsen Brits

  1. Danke für diese Vorstellung. Scheint ganz meine Welt zu sein.
    Ich habe das Glück gehabt, dass meine Klassenräume meist groß genug waren für eine kleine Eckbank ( selbst ersteigert) mit selbst genähten Kissen und eine Kuschelecke. Oft habe ich Drachen an die Decke gehängt trotz Brandschutzvorgaben. Es gibt auch noch solche Kleinigkeiten wie einen Föhn, um nach dem Schwimmen oder leichtem Regen in der Pause sich gegenseitig die Haare zu föhnen. Und anständige Handtücher statt Papierlappen. Für eine Wäscheleine mit persönlichen Fotos ist auch an jedem Fenster Platz. Auch das gibt ein familiäres, gemütliches Gefühl. Meine Schüler haben nicht weniger gelernt, nur weil ich ihnen die Zöpfe neu geflochten habe. Man kann ja auch dabei reden.

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