Buchvorstellungen im Lehrercafe – Michael Felten mit „Die Inklusionsfalle“

Intro

Körperlich und geistig behinderte Kinder besuchen neben nicht behinderten Kindern unsere Schule, Autismus und Down Syndrom gehören zum Tagesgeschäft, die nötige Ausbildung dazu nicht. Man verlangt es einfach von uns, und wenn es nicht klappt, dann haben wir, die Lehrer, versagt. Was auf dem Rücken des Kindes ausgetragen wird, wie es um sein Wohlergehen steht, egal, Inklusion muss jetzt sein, weil es alle machen, weil die Politik es so will. Wiedermal. Förderschulen, Fehlanzeige.

Die werden seit Jahren abgeschafft, Kosten gespart. Die hochqualifizierten Förderschullehrer und Sonderpädagogen arbeiten nun teilweise an mehreren Regelschulen gleichzeitig, tingeln durchs Ländle. Die schwächsten und labilsten Schüler unserer Gesellschaft können und dürfen nicht mehr in ihre geschützten Gruppen, in denen sie sich wohlfühlten, in denen ihnen entsprochen wurde, in denen sie von den speziell für sie ausgebildeten und für ihre Beeinträchtigungen ausgerichteten Fachleuten unterrichtet und betreut wurden. Vereinzelt müssen sie nun ganz „normale“ Schulklassen besuchen, wo sie, wenn sie Glück haben (!), von Sonderpädagogen begleitet werden. In diesen großen Klassen sind diese besonderen Kinder viel einsamer als vorher, was häufig dazu führt, dass sie ihre Schwächen auch ungleich stärker verspüren. Anfangs sind die „normalen“ Kinder noch tolerant und hilfsbereit, auch sie wissen, was man gesellschaftlich von ihnen erwartet. Aber nach einer Weile kippt die Stimmung, die „normalen“ Kinder sind leistungsstärker. Sie können nichts dafür, es ist von der Natur so vorgegeben, und dann wollen sie plötzlich nicht mehr hilfsbereit und tolerant sein und unter die Arme greifen. Weil ihr Körper und Geist sie drängt, voranzukommen, schneller zu sein, besser zu sein. Das ist ein natürlicher Prozess, den keiner aufhalten kann, weil die Natur ihn vorgibt. So wie die Stimmung kippt gerät nun auch der Unterricht durcheinander, keiner kann sich mehr nach seinen Bedürfnissen entfalten, alle leiden: der überforderte Pädagoge, das nicht behinderte Kind und das behinderte Kind. Die Politik hat Inklusion gewollt, um Kosten für teure Spezialschulen mit kostenaufwendigem Personal und kostenaufwändiger Ausstattung zu sparen. Dass bei der Umsetzung dieses Projekts das Wohl des Kindes / des Jugendlichen, die Möglichkeiten der Leistbarkeiten einer Schule und deren zugehöriger Pädagogen außer Acht gelassen werden, ist mittlerweile offensichtlich und wird hinreichend diskutiert. Scheinbar nicht genug, denn es passiert wenig oder nichts, da lediglich gelungene Inklusionsbeispiele öffentlich propagiert werden, die es auch gibt, ohne Frage – allerdings in absoluter Unterzahl anzusehen sind, wenn man ehrlich in Regelschulen schaut. Wie gut, dass sich jemand wie Michael Felten traut, über all das zu schreiben.

Inklusion Zum Buch 

Der Titel „Die Inklusionsfalle“ verlockt, nicht aufreißerisch, eher prosaisch. Auffordernd verlockt er zum Lesen des Buches. Aufgefordert sollten sein: Interessierte, Betroffene, Eltern mit und ohne behinderte aber schulpflichtige Kinder, Inkludierte oder jene, die es werden sollen/wollen, und Lehrer sowie Schulträger, die hineintappen sollen, in die Falle.

„Inklusion“ – was das bedeutet, ist wohl jedem hinreichend bekannt. „Falle“ – das hört sich nach einem Hinterhalt an, oder auch nach einer Hinterlist, vielleicht auch nach einer Grube, in die man hineinfallen kann. „Inklusionsfalle“ in der Zusammensetzung – das lässt dann schon auf Betrug, Täuschung oder Misserfolg schließen, zumal der Untertitel „Wie eine gut gemeinte Idee unser Bildungssystem ruiniert“ andeutet, dass der Autor nicht gerade positiv beschreiben wird, was der Inklusionsgedanke der deutschen Schullandschaft angetan hat.

Schon beim Lesen des Klappentextes denke ich: Ich kann Inklusion nicht, ich habe Inklusion nie gelernt und trotzdem verlangt man es jeden verdammten Tag von mir, der Lehrerin, die jeden schulpolitischen Wahnsinn zu ertragen und die Auswirkungen mitzutragen hat. In so manchen Unterrichtseinheiten sollte mir ein Förderschullehrer zur Seite stehen. Der befindet sich allerdings in einer anderen Klasse, wo er noch dringender gebraucht wird. Das Buch beschreibt auf vielen Seiten, was mir und anderen Pädagogen geschieht, was von uns verlangt wird, wie Eltern und deren Kinder getäuscht werden, nicht nur die mit behinderten Kindern. Denn was häufig vergessen wird, auch die nicht behinderten Kinder leiden unter der politischen Doktrin. Freier Elternwille, immer weniger Förderschulen, Unterfinanzierung, kaum geeignetes Personal, ungenügende Fort- und Weiterbildungen – Unzufriedenheiten ohne Ende in einem politisch gewollten Missgeschick  mit verhängnisvollen Folgen. Über all das berichtet das Buch von Beginn an, es ist spannend, und ich finde mich auf fast jeder Seite wieder.

Beim Lesen fällt auf, dass Michael Felten keinesfalls als Gegner einer Inklusion betrachtet werden sollte, das gefällt mir gut. Aber er schafft es, gemachte Fehler und eingetretene Missstände aufzudecken und dabei zwischen den Zeilen klar und deutlich Position zu beziehen. In seinen Erläuterungen, die sich größtenteils sehr praxisnah gestalten, bleibt er sachlich und fair, dennoch anprangernd bzgl. der Umstände, wie Inklusion tatsächlich stattfindet in Schulen, anprangernd dahingehend, wie ein völlig unterfinanziertes und ein völlig falsch verstandenes Projekt zu derart viel Leid in der Gesellschaft führt. Ausführenden des Inklusionsgedanken (Lehrern) fehlen häufig Qualifikationen, um sich selbst und den Betroffenen gerecht zu werden. Denjenigen, die qualifiziert sind (Förderschullehrer), entzieht man seit Jahren aus kostensparenden Gründen ihre eigentlichen Arbeitsbereiche, zahlreiche Förderschulen sind bereits geschlossen oder stehen auf dem Prüfstand. Das Buch zeigt mehr als einmal auf, dass die Grenzen des Inklusionskonzepts längst erreicht sind, und dass das angestrebte gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern bei weitem nicht auf alle und jeden übergestülpt werden kann. Weiterhin gibt das Buch dem Leser einen Überblick über hinreichend gesammelte Erfahrungen und Forschungsbefunde, die in der aktuellen Inklusionsdebatte nicht genügend wahrgenommen werden. Am Ende des Lesens wird klar, dass der schulische Umgang mit Behinderung für alle am Prozess Beteiligten umgestaltet werden muss: Wenn Inklusion, dann hochqualifiziert mit exzellent ausgebildetem Fachpersonal und ansprechenden Rahmenbedingungen. Wenn Inklusion, dann bitte nur dort, wo es sinnvoll erscheint und gewollt ist. Und wenn getrennter Unterricht von Nöten ist, dann sollte ihm unweigerlich entsprochen werden.

Das Buch liefert im Mittelteil einen Blick in angrenzende europäische Länder und stellt Vergleiche an zu deren schulpolitische Inklusionsbemühungen und Ansinnen. Damit zeigt Michael Felten auf, dass auch in jenen Ländern, in denen die Rahmenbedingungen zur gelingenden Inklusion nicht gegeben sind, diese lediglich auf dem Papier existiert und mit einem Erreichen von Wohlbefinden von Behinderten wenig zu tun hat. In den nordischen Ländern läuft laut Felten die Inklusion zwar besser, allerdings auch nicht reibungslos. Eine PISA-Studie belegt dazu, dass sich unsere nordischen Nachbarländer zunehmend leistungsorientierter und privatisierter in schulischen Bereichen ausrichten. Besitzen die Eltern dort das entsprechende „Kleingeld“, schicken sie ihre Kinder immer häufiger auf Privatschulen, an denen keine Inklusion durchgeführt wird. Inwieweit sich dieser Trend auch bei uns durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass die Unzufriedenheit bzgl. der nicht bzw. schlecht funktionierenden Inklusionsschulen auf Eltern- und Lehrerseite wächst und einer nicht reagierenden Politik, da diese der Kosteneinsparung treu bleibt, gegenübersteht. Wenn Bemühungen von Leidtragenden nicht ausreichen, Situationen zu ändern, wird es zwangsläufig passieren, dass private Bestrebungen in Richtung Privatschulen auch bei uns in Deutschland Aufwind bekommen.

Am Ende gibt der Autor Ratschläge, die das Buch nicht nur sinnvoll abrunden, sondern sie machen es wertvoll für den Lesenden. Er fordert unterstützende Programme für Lehrer und erläutert auch, wie diese aussehen könnten. Er argumentiert, warum Lehrer sich nicht alles gefallen lassen müssen und wie sie auch im Rahmen ihrer Zwänge Möglichkeiten finden können, sich öffentlich zu äußern. Und er empfiehlt, den Parteien und den Politikern auf den Zahn zu fühlen und Initiativen zu ergreifen. Gerade in den Zeiten der bevorstehenden Bundestagswahl macht es Sinn, dieses zu lesen, da die Schulpolitik schon so manchen Wahlausgang bestimmte.

Fazit  Das Buch ist lebendig, leserfreundlich vor allem anschaulich geschrieben. Wer sich für dieses schulpolitische Desaster interessiert, wird es nicht mehr aus der Hand legen, bis er am Ende angelangt ist. Der Autor hat die vielfältigsten wissenschaftlichen und publizierten Quellen, die zur Thematik veröffentlicht wurden, zur Recherche genutzt. Diese tiefgründige Auseinandersetzung ist der Erarbeitung anzumerken und man merkt, dass der Autor weiß, wovon er spricht bzw. schreibt. Hinzu kommt seine langjährige Tätigkeit als Pädagoge und damit ein enormer persönlicher Erfahrungsschatz. Dieses Buch ist mehr als lesenswert, es regt betreibt eine schonungslose Bestandsaufnahme, bietet Lösungsansätze und könnte in vielerlei Hinsicht der Auslöser von fachlichen und schulpolitischen Diskussionen sein.

Ich spreche hiermit eine absolute Kaufempfehlung aus.

Eine Anregung unseres lieben Bloglesers  pimalrquadrat erweitert unseren Beitrag ungemein mit einem Artikel im Zeit-Magazin: Inklusion ist eine Frage der Haltung

Danke dafür.

Folgende Informationen zum Buch stehen für euch zur Verfügung:

9783579086729_Leseprobe

Einen herzlichen Dank an den Random Verlag, der uns das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Gelesen habt ihr meine eigene und ganz ehrliche Meinung.

Liebe Grüße aus dem Lehrercafe, eure Ela Kaffeetasse

 

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32 Gedanken zu “Buchvorstellungen im Lehrercafe – Michael Felten mit „Die Inklusionsfalle“

  1. Inklusion klingt auf dem Papier ganz toll. Aber in der Praxis funktioniert sie nur dann, wenn man auch genügend Geld in die Hand nimmt. Klassen um die 15 Schüler, ein Fachlehrer, ein speziell geschulter Sonderpädagoge, der in allen Stunden da ist. Spezielles Material, Bücher, etc. pp.
    Und selbst dann: Was macht ein Kind, welches geistig noch in der Grundschule steckt, wenn seine Klassenkameraden erste Erfahrungen mit Alkohol und Sexualität machen? Darauf gibt niemand eine Antwort. Es ist einfach so viel schöner, auf heile Welt zu machen, darauf zu vertrauen, dass die schwachen Schüler von den starken mitgezogen werden (warum eigentlich? Als starker Schüler wird man sowieso meist mit Zusatzaufgaben abgespeist, anstatt im Stoff weiterzukommen, bei Gruppenarbeiten ist man derjenige, der die Arbeit machen darf, weil man als einziger auf die Note achtet, Hausaufgaben wollen auch alle abschreiben, und dann noch mehr?) und von allen Beteiligten zu verlangen, sich über die Maße zu engagieren, so wie eine Mutter in einem Artikel auf Zeit.online neulich:
    http://www.zeit.de/kultur/2017-05/inklusion-bildungssysteme-haltungsproblem-sozialpaedagogie-10nach8

    Und dann steht da noch die Frage im Raum, ob und wie Lehrer eine Fortbildung erfahren für eine Aufgabe, die niemals im Gespräch war. Man wird Lehrer an einer weiterführenden Schule, weil einem neben den Kindern auch das Fach am Herzen liegt, ebenso wie ein gewisser Anspruch. Von jetzt auf gleich statt Pythagoras die Grundlagen des kleinen 1×1 vermitteln zu müssen oder statt Schiller das Alphabet zu lehren ist schlicht hanebüchen.

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    • Dein Kommentar rundet den Beitrag ab. Super. Und danke auch für den Link. Hab da mal reingelesen und Frau Latscha gleich auch noch eine Antwort da gelassen. Ich werde den Link mal mit in den Beitrag reinsetzen, falls jemand nicht in den Kommentaren liest. Die Anregung ist echt klasse.

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  2. Bei uns im Ref hat der nächste Durchgang nun den Schwerpunkt „Vielfalt als Chance und Herausforderung wahrnehmen“ … ich war ziemlich froh, dass ich die Augenwischerei nicht vertreten muss fürs Kolloquium jetzt. Hoffentlich reagiert man nachhaltig in den Unis auf die neue Situation. Das System hinkt hoffnungslos hinterher im Moment.

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  3. Ist genau meine Rede, trifft den aktuellen Nerv in der Schule in Deutschland ganz genau.
    Die Inklusion wird definitiv unter den jetzigen personellen und materiellen Bedingungen voll gegen die Wand krachen.
    Zu Studienzeiten haben mir Mitstudentinnen von Südtirol erzählt. Dort gibt es keine Förderschulen. Dort waren 16 Kinder in der Klasse, zwei Regelschullehrerinnen im Teamteching durchweg gleichzeitig im Unterricht und das einzige mit Behinderungen (taub) geborene Kind der Klasse lernte von einer zusätzlich eingesetzten spezialisierten Förderschullehrerin per Fühlen am Kehlkopf, auf Deutsch und auf Italienisch zu sprechen.
    So macht Integration Sinn, nur so profitieren alle.

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    • Das ist ein super Beispiel dafür, wie es gelingen kann. Für Deutschland, dem Land der permanenten Unterfinanzierung, wenn es um Bildungsthemen geht, wird so etwas ein Traum bleiben. Aber schön, dass du uns davon berichtest. Das wertet den Beitrag enorm auf. Danke.

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  4. Danke für den Beitrag und die Rezension. Ich kann eure Haltung nur bekräftigen, das Thema Inklusion gehört bildungspolitisch tatsächlich als Desaster eingestuft. Erneut eine Kostenersparnis, die auf dem Rücken der Schwächsten der Gesellschaft ausgetragen wird. Es sollte mehr Bücher wie die Inklusionsfalle geben. Michael Felten ist mit diesem Werk ein Volltreffer gelungen. Hoffentlich schreibt er weiter über die Schwachpunkte der deutschen Bildungslandschaft.VG Nele

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  5. Ja, das sehe ich auch so und möchte dann auch nochmals auf die Rechte der nicht-geförderten begabten Schülerinnen und Schüler hinweisen. Die menschliche Begegnung kann sehr gut außerhalb des Unterrichts stattfinden und der jeweilige Unterricht so gestaltet werden, dass alle profitieren können. Das Bestreben nach Nivellierung halte ich für absurd, niemandem ist damit gedient, nur einer gnadenlos, gleichmachenden Ideologie, die ihre mangelnde Alltagstauglichkeit oft und oft bewiesen hat .

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  6. Inklusion…, wenn ich dieses Wort schon höre, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Ahnen, Hubig und wie sie alle heißen. Was haben uns diese ganz schulpolitisch völlig realitätsfernen Menschen da nur eingebrockt? Die möchte ich mal erleben, wenn die vor einer Klasse stehen würden und plötzlich, ohne Vorankündigung wohlbemerkt, sitzt da ein autistisches Kind in der ersten Reihe. Es gibt Töne von sich, es guckt merkwürdig, die anderen Kinder lachen. In der Stunde ist es dem Kind zu laut, es vernimmt Geräusche, die andere nicht hören. Mitarbeit gleich null, wie auch, das Kind ist völlig fehl am Platz. Es bräuchte eine ruhige Umgebung, um sich auf die Dinge konzentrieren zu können, worauf es sich nur konzentrieren kann. Satt dessen wir es von 31 teilweise verhaltensauffälligen Kindern umgeben, die laut sind, rumblödeln, nerven. Das autistische Kind tickt aus, es schmeißt sich zu Boden. Und ich? Ich stehe hilflos daneben und weiß überhaupt nicht, was ich machen soll? Wüssten Sie es, Frau Hubig?

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  7. Ich kenne das Buch. Kanns nur empfehlen, denn es gibt einen schonungslosen Einblick in eine total verkorkste Schulpolitik. Felten bleibt emotionslos und ganz sachlich. Das ist eine seiner großen Stärken. Er stellt die Fehler dar und wertet aus, aber er wird nicht persönlich.

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  8. Rot-Grün, mehr sage ich nicht. Wer solche Parteien wählt, braucht sich heute nicht hinstellen und heulen, dass er mit den geschaffenen Bildungskatastrophen nicht klar kommt. Wann merken die Leute in RLP (und auch in anderen Bundesländern) endlich, dass Sie an der Wahlurne darüber entscheiden, was bildungspolitisch geschehen wird? Wieder sind so viele letztes Jahr nicht aufgewacht, wieder haben sie Dreyer und Konsorten gewählt und wieder sind es diejenigen, die sich heute über Themen wie Inklusion mokieren. Wacht doch mal auf, Ihr Rot-Wähler!
    Louisa Sch., Schulleitungsmitglied einer FOS

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  9. Wir finden eure Seite richtig toll. Es liest sich irgendwie wie Aufklärungsarbeit und in dieser schnelllebigen Welt kommen wir immer seltener dazu uns mit solchen Themen zu beschäftigen. Da kommen uns eure Beiträge gerade recht. Liebste Grüße aus Wien

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  10. Wer in der Inklusion arbeitet, weiß, dass es nicht die im strengen Sinne behinderten Kinder sind, vor denen sich die Lehrer fürchten, sondern dass auf dem Rücken dieser Kinder und ihrer vermeintlichen Bedürfnisse Argumente her müssen, warum die sozial auffälligen Kinder, die als quasi verhaltensbehindert früher ausge-sondert werden konnten, wieder in ihre Spezialschulen gehören. Das ist Instrumentalisierung der Schwächsten vermeintlich um der Schwächsten willen. Inklusion ist und bleibt von der UNO und von Deutschland ratifiziertes Menschenrecht. Und scheint mir damit vor allem eine charakterliche Herausforderung für Lehrkräfte zu sein. Luft nach oben gibt es im deutschen Schulwesen gewiss eine Menge, aber Schritte zurück bringen uns nicht vorwärts. Liebe Grüße von einem Lehrer aus dem Lande Bremen!

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    • Lieber Tobias, danke für deinen Kommentar. Ich kann es nur aus rheinlandpfälzischer Perspektive betrachten. Bei uns ist die Inklusion den Regelschullehrern übergestülpt und aufgezwungen worden. Wir haben keine Ausbildung dafür und sollen von jetzt auf gleich zum Beispiel den Umgang mit einem autistischen Kind können. Wir fürchten uns also nicht, wir sind schlichtweg überfordert und fühlen uns im Stich gelassen. Wenn Inklusion ein Menschrecht ist, dann muss Inklusion bereits im Studium und in der Fachausbildung integriert sein. Dann müssen ältere Lehrende vorbereitet und angelernt werden, dann müssen sie gwfragt werden, ob sie dazu bereit sind. Ich finde, der Charakter einer Lehrkraft hat nichts damit zu tun, etwas tun zu müssen, was man nicht kann.
      Vielleicht läuft die Inklusion bei euch in Bremen anders, besser. Lass uns daran teilhaben, wenn dem so ist. Hier ist es wirklich eine Katastrophe und beschwört ziemlich viel Unmut herauf. LG Ela☕

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  11. Vielen Dank dafür! Die Webseite liefert eine gute Sammlung von Beispielen, die zeigen, wo es – wie von mir angesprochen – noch sehr viel Luft nach oben gibt – auch im Lande Bremen selbstverständlich.

    Dass eine Webseite “Inklusion als Problem“ heißt, ist allerdings tendenziös und der Sache unangemessen. Es handelt sich nach wie vor um ein Menschenrecht, wenn wir von inklusiver Teilhabe sprechen, und so wichtig es ist, sich die Probleme anzuschauen, wäre es nicht weniger wichtig, im gleichen Zug die best practice-Beispiele individueller Schulstandorte anzuschauen, um in der Sache weiter zu kommen. Das vermisse ich zu häufig in der Diskussion.

    Dass das deutsche Bildungswesen marode ist und zu unseren Lebzeiten wohl auch leider nicht mehr zu retten ist, darüber brauchen wir doch gar nicht reden. Aber das liegt doch nicht an der Inklusion. Die hat höchstens die Probleme, die sich an bestimmten Schulformen bereits vorher verdichtet hatten, verteilt und damit für uns alle an allen inklusiven Schulformen sichtbar und erfahrbar gemacht. Keinem Kind und auch den Eltern nicht ist geholfen, wenn wir so tun, als wäre es eine Lösung, das Problem, das wir mittlerweile alle als Lehrkräfte haben, wieder zum alleinigen Problem der Haupt- & Sonderschullehrkräfte zu machen.

    Gegner der Inklusion zu sein ist widersinnig. Gegner der gegenwärtigen Schulpolitik hingegen zu sein absolut geboten. Inklusion gehört angemessen finanziert und personell wie räumlich adäquat ausgestattet. Das geschieht vermutlich noch nirgends in Deutschland. Die Rolle rückwärts bringt uns aber nicht voran. Vielmehr sollten wir die erschwerten Bedingungen, unter denen Inklusion stattfinden soll (die im Übrigen nach der Ratifizierung ohnehin nicht mehr abschaffbar ist), doch dafür nutzen, den Druck auf die politisch Verantwortlichen insoweit zu erhöhen, dass Bedingungen geschaffen werden, unter denen Inklusion gelingen kann. Davon profitieren am Ende alle – Lehrkräfte, Kinder und Eltern. Alles andere wäre eine Sackgasse.

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