Lehrercafe on tour – Grundschule Mörsdorf muss bleiben! (Beitrag 16/2017)

Wir fahren aus Kastellaun heraus. Vor uns liegen noch ca. 11 km bis Mörsdorf. Die schmale Landstraße dorthin führt uns durch Wälder, vorbei an Feldern und zahlreichen Windrädern. Die Straße gibt den Blick frei auf den hügeligen Hunsrück und kurz vor Erreichen des Ortes auf die seit Oktober 2015 eröffnete Geierlay-Hängeseilbrücke, die schon einen Besucherrekord zu verzeichnen hat.

Idylle pur, denken wir, als wir in den Ort hineinfahren. Urlaubsgefühle kommen auf. Ein Dorf mit garantiertem Wohlfühleffekt. Wunderschöne Häuser mit gepflegten Grundstücken, ein Landgasthof mit einladender Atmosphäre, eine Bücherei, eine Bäckerei, ein Kindergarten… und – eine Schule erwarten uns auf eine Stippvisite.

Mörsdorf

Natürlich sind wir nicht ohne Grund hier. Wir besuchen die Grundschule, die mit momentan 19 Schülern eine der kleinsten Grundschulen im Land darstellt. Vor Ort wollen wir schauen, was Bildungsministerin Hubig hier ausradieren möchte, um Kosten zu sparen, um unsinnige Leitlinien durchzubringen.

Die Bilder zeigen ganz deutlich, in dieser Schule lernen die Kinder nicht nur lesen, schreiben und rechnen. Sie haben einen Frühlingsgarten, pflegen Bienenstöcke und pflanzten einen Ahorn mitten auf den Schulhof. Von Anwohnern erhielten wir die Auskünfte, dass die Kinder in ihrer Schule kochen, Fastnacht feiern, letzthin eine Autorenlesung genießen durften mit Sonja Hartmann, im Winter Schlitten fahren und Ausflüge unternehmen. Ein Blick auf den Speiseplan lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen, hier gibt es jeden Tag ein anderes leckeres Mittagsgericht, kostenfrei versteht sich, das zahlt die Gemeinde. Am Nachmittag werden die Kinder betreut. Die Schule ist ein Teil des Dorfes und dazu sehr lebendig. Hier werden die Experten vor Ort mit in den Unterricht einbezogen, alle Schüler wohnen im Dorf, kennen alle Örtlichkeiten und Einrichtungen und können alles problemlos zu Fuß zu erreichen. Wenn im Dorf Veranstaltungen stattfinden, gestalten die Schulkinder regelmäßig die Programme und bereichern dadurch das Gemeinschaftsleben.

Interview mit dem Bürgermeister: Herr Kirchhoff, ein Bürgermeister mit dem Herz am rechten Fleck und sich einsetzend mit Leib und Seele für seine kleine Gemeinde, hat uns zudem viel berichtet über die Aktion „Rettet unsere Schule“ und seinen Ausflug zur Portestdemonstration in Mainz, wo er mit Eltern, Kindern und den überaus motivierten und engagierten Elternsprecherinnen die Petition übergab. Er berichtet uns von einer Frau Hubig, die wohl nicht damit gerechnet hatte, dass sich derart viel Widerstand vor ihrem schönen Landtag zeigt. Mit fadenscheinigen Argumenten speiste sie Herrn Kirchhoff und seine Begleiter auch an diesem Tag ab. Bei der Übergabe der Petition entschlüpft es Hubig doch tatsächlich, dass es 1500 Dörfer im Land gäbe, denen es auch ohne Grundschule gut gehe. Mit Bedacht habe sie die Mindestgröße (mindestens eine Klasse pro Jahrgang) gewählt, da sie nur dadurch eine Voraussetzung für eine gute pädagogische und organisatorische Arbeit an Grundschulen erfüllt sehe. Sie wolle, dass Kinder auch am Nachmittag AGs und Vielfalt geboten bekämen, dieses wäre nur durch Mindestgrößen-Konzepte erreichbar.  Ein Blick auf die Mörsdorfer Homepage hätte ihr bereits gezeigt, dass sie mit ihren Ansichten komplett daneben liegt. Es ist und bleibt unfassbar!!! –  Trotz alledem sieht Herr Kirchhoff den Ausflug nach Mainz als eine in sich gelungene Aktion und spricht mehrfach seinen Elternsprecherinnen allergrößten Dank aus. Wenig Unterstützung erhält Mörsdorf von der übergeordneten Verbandsgemeinde, da stört wohl der eigene Stil, den man in Mörsdorf fährt. Anders sieht es in Nachbargemeinden aus, bspw. aus Cochem-Zell ist der Verbandsbürgermeister mit nach Mainz gefahren. „Was nützt es uns, bauwillige junge Familien mit wunderschönen Bauplätzen in unsere Gemeinde zu locken, wenn wir keine Schule mehr anbieten können?“, seufzt Ortsbürgermeister Kirchhoff und es ist nachzuempfinden, was er meint. Junge Familien sind heute mehr denn je an guter Infrastruktur interessiert. Dazu gehört meistens im ersten Blick, dass neben einem Kindergarten auch zumindest die Grundschule fußläufig zu erreichen ist. Mehrfach hat Herr Kirchhoff vor der Petition der Elternsprecherinnen Frau Dr. Hubig eingeladen, sich die örtlichen Begebenheiten in Mörsdorf anzuschauen und sich mit eigenen Augen vom vorherrschenden fantastischen Schulkonzept überzeugen zu lassen, um keine unbedachte Entscheidung vom Schreibtisch aus zu treffen. Sie ist nicht gekommen, der Weg war ihr wohl zu weit, zu beschwerlich, sie hatte keine Lust…

Natürlich haben die Medien reagiert und in einigen Zeitungsartikeln über die Proteste und die Petitionsübergabe berichtet. Doch die Rhein-Zeitung, die in RLP mit großer Auflage in der gesamten Umgebung gelesen wird, wäre nicht die Rhein-Zeitung, wenn sie sachlich Bericht erstatten würde, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte. Nein, stattdessen lässt man zusätzlich Frau Birgit Pielen (Nachrichtenchefin der Rhein-Zeitung Koblenz) in einem Bildungskommentar  zu Wort kommen, der die Gemüter und auch uns erhitzt und in neue Empörung versetzt. Sie schreibt darüber, dass das Bildungsministerium „Realpolitik machen muss“, statt das „Hohelied auf Zwergenschulen“ zu singen und dass zahlreiche Eltern ihre Kinder in benachbarten Grundschulen mit Ganztagsschulprogramm anmelden würden, statt sie in die eigenen im Dorf ansässigen Schulen zu schicken. Das mag für einen Ort wie Klotten zutreffen, dann sollen die Eltern dort mit ihrer Entscheidung leben, vielleicht bereuen diese nachfolgende Generationen. Aber das Konzept der Grundschule Mörsdorf sieht genauso wie größere Grundschulen ein umfassendes Konzept vor, nur will es sich keiner anschauen, weder Frau Pielen noch Frau Dr. Hubig wollen es wahrnehmen, stattdessen reden beide über begrenzte Möglichkeiten und Unattraktivtäten an Zwergenschulen, über Luxus, den Politik jahrelang zugestanden hat, der jetzt beendet werden müssen – aus Kostenersparniszwängen. Wohin diese Zwänge führen, sehen wir am immer dicker gefüllten Geldbeutel unserer Landtagsabgeordneten (siehe Beitrag).

Fakt ist, schließt Frau Dr. Hubig die Mörsdorfer Grundschule, löscht sie damit ein hervorragendes Schulkonzept aus, Arbeitsplätze entfallen, Kinder müssen mit dem Bus zur nächsten Grundschule mit täglich 1,5 Stunden Fahrtzeit fahren, das Dorf verliert einen lebensnotwendigen Baustein.

Wir fordern, fahren Sie nach Mörsdorf, Frau Dr. Hubig, so wie wir es auch getan haben, um uns einen genauen Eindruck zu vermitteln, und erleben Sie vor Ort, was Sie kaputt zu machen versuchen. Werden Sie endlich Ihrer Funktion gerecht, derer Sie bisher nicht gerecht werden – Sie sind Politikerin und damit eine gewählte Vertreterin des Volkes. Vertreten Sie also bitte auch im Sinne derer, die Sie gewählt haben werden Sie den Bürgern von morgen gerecht, in dem Sie die richtige Entscheidung treffen, nämlich die, dass die Grundschule von Mörsdorf bestehen bleibt.

Wer sich weiter informieren möchte, kann folgende Links öffnen, die uns Bürgermeister Kirchhoff zur Verfügung stellt.

Website der Grundschule   ***   Petition

Aktion zur Rettung     ***  Detaillierte Pressemitteilung   ***  Pressemitteilung

Wir bedanken uns bei der Gastfreundschaft in Mörsdorf und bei Ortsbürgermeister Kirchhoff für das Interview. Die Hoffnung stirbt zuletzt, darum hoffen wir auf ein gutes Ende und ein Fortbestehen der Grundschule in Mörsdorf wie auch in anderen betroffenen Gemeinden.

LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela Kaffeetasse

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8 Gedanken zu “Lehrercafe on tour – Grundschule Mörsdorf muss bleiben! (Beitrag 16/2017)

    • Ich glaube in der Tat, skeptisch sind alle. Die Landespolitiker in RLP sind dafür bekannt, das durchzusetzen, wonach Ihnen beliebt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Macht ist ihnen bewusst und sie nutzen sie schamlos aus. Aber es soll nichts unversucht bleiben, dann können alle Protestler sich guten Gewissens in den Spiegel schauen. Und solche, wie Frau Hubig, sollen sich schämen!

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