Was sind Ihnen die Kleinen wert, Frau Dr. Hubig?  (Beitrag15/2017)

Zahlreiche Eltern, Kinder und Ortsbürgermeister mehrerer Dörfer aus RLP haben sich auf den Weg nach Mainz gemacht. Sie wollen dort am heutigen Vormittag für den Erhalt von kleinen Grundschulen demonstrieren. Auf einem nahe gelegenen Platz möchten sie während der zeitgleich stattfindenden Plenarsitzung im Landtag ihre Forderungen deutlich machen und der Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig eine Petition übergeben, die online mehr als 25 000 Unterstützer gefunden hat.

In den vergangenen Monaten haben geplante Schließungen von kleineren Grundschulen, die nur über wenige Schüler verfügen, riesige Wellen der Empörung geschlagen. Das Bildungsministerium hat im März sogenannte Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot vorgelegt und 41 Grundschulen mit nur einer oder zwei Klassen genannt, die dahingehend überprüft werden sollen, ob sie weitergeführt werden oder nicht. Nach etlichen öffentlichen Protesten hat Frau Dr. Hubig den Schulträgern nun zumindest eingeräumt, bis Ende September ein Konzept für eine tragfähige Zukunft vorzulegen, danach will sie ihre Entscheidungen fällen. Wird eine Schulschließung beschlossen, soll der Unterricht bereits mit Beginn des Schuljahres 2018/19, also nach den Sommerferien nächsten Jahres, eingestellt werden.

Initiiert wurde die Petition von mehreren Elternsprechern der Grundschule in Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis). Betroffene Eltern aus anderen Orten haben sich angeschlossen.

Wir vom Lehrercafe drücken den heute in Mainz Anwesenden ganz kräftig die Daumen. Auch wir sind dagegen, dass die kleinen Grundschulen auf dem Land geschlossen werden! Kleine Schulen sind doch nicht allein durch Zahlen und Größe messbar. Im Gegenteil, sie zeichnen sich durch andere Arten des Lernens und der Organisation von Schule und Unterricht aus. Qualität kann keine Frage der Größe sein, sie muss die Frage des Inhaltes und der Nutzer bleiben.

„Es bleibt der Grundsatz: Kurze Beine, kurze Wege“, waren die Worte von Frau Dr. Hubig persönlich Ende Januar. Dann fragen wir uns doch aber allen Ernstes, warum sie die kleine Schule nicht in den Dörfern belässt? Werden die Schulen geschlossen, müssen unseren Kleinsten nach dem Kindergarten direkt schon in den Anfangsjahren ihrer Schulzeit zur nächstgrößeren Schule mit dem Bus fahren, kilometerweit, bei Wind und Wetter! Sie werden damit aus ihrem Lebensumfeld herausgerissen. Aus und vorbei ist es dann mit der Überschaubarkeit, Stabilität und Verlässlichkeit ihrer Lebensverhältnisse, mit der Identifikation ihres Lebensmittelpunkts, mit der Entwicklung einer größtmöglichen Ortsverbundenheit.

Auf der einen Seite werden Millionen aufgebracht, um der Landflucht entgegenzusteuern und auf der anderen Seite stoßen wir junge Familien vor den Kopf? Was ist das für eine Logik? Wie sollen Gemeinden so für junge Familien attraktiv bleiben?

Worum geht es wieder mal in diesem ganzen Debakel? Natürlich – um Kostenersparnis! Und wieder werden diese Ersparnisse auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen, nur dass es dieses Mal kleine süße fünf- bis zehnjährige Mäuse sind, die nach einer Schließung nicht mit ihrem Schulranzen auf dem Rücken nur ein paar Schritte in ihre Schule laufen müssen, sondern die sich mit den Großen einreihen müssen in den öffentlichen Nahverkehr, der bekanntlich auch nicht sonderlich daran interessiert ist, den Kleinsten unserer Gesellschaft gerecht zu werden.

Haben Sie sich mal morgens in einen Schulbus gesetzt, Frau Dr. Hubig? Haben Sie überhaupt mal über so etwas nachgedacht? Wahrscheinlich nicht. Sie werden ja von Termin zu Termin in einer Limousine gefahren von einem netten Chauffeur, Klimaanlage inklusive. „Bei einer Fahrt mit dem Bus dürfe der Weg von Haltestelle zu Haltestelle maximal 30 Minuten dauern“, heißt es in der Leitlinie. Und wir sagen: jeder Kilometer ist zuviel! Jedes sich Einreihen an einer Bushaltestelle ist zuviel. Eine seit Jahren etablierte Schule in jedem Dorf sollte erhalten bleiben. Kinder sind doch unsere Zukunft! Argumentieren nicht alle Politiker stets und ständig mit diesem Satz? Dann lasst ihnen in den ersten Jahren ihres Lebens auch ihre Zukunft unter den bestmöglichen Umständen angedeihen, und wertschätzt die Kleinen unserer Gesellschaft bitte dahingehend, dass wir Ihnen alles ermöglichen, was nur geht.

Geplant für die heute Demonstrierenden sind auch Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden im Landtag. Wir hoffen, dass diese Fraktionsvorsitzenden ein offenes Ohr haben und die Bildungsministerin im Sinne der Kinder und Eltern beraten werden, denn Frau Dr. Hubig scheint ihre eigene wohlbehütete Grundschulzeit längst vergessen zu haben, wie man aus einem geführten Interview zu ihrer Person sehen kann:

„…Ich bin ein Jahr in Nordrhein-Westfalen und drei Jahre in Bayern in die Grundschule gegangen. Das war keine strenge bayerische Paukschule. Wir lebten in einem relativ kleinen Ort, dadurch war die Grundschule auch klein. Der Unterricht war richtig gut. Wir hatten sogar Förderung für Kinder, die ihre Aufgaben besonders schnell oder auch langsam lösen konnten. Insoweit war die bayerische Grundschule vielleicht sogar innovativ…ich konnte mit den vielen Kindern, die bei uns im Dorf gewohnt haben, spielen“, die Worte von Frau Dr. Hubig in einem Interview mit der GEW am 09.06.2016!!! (Quelle des Interviews) 

Rettet die Zwergenschulen! Kleine Grundschulen müssen bleiben! – diesem Aufruf folgen wir und werden über den Ausgang berichten.

LG aus dem Lehrercafe von Alexa und Ela Kaffeetasse

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17 Gedanken zu “Was sind Ihnen die Kleinen wert, Frau Dr. Hubig?  (Beitrag15/2017)

    • Ja genau, völlig anders als in großen Grundschule aber so klasse für die Kleinen. Meistens erinnern die sich ein Leben lang an ihre tolle Zeit. Auf den Inseln an der Küste gibt es ja auch viele solcher kleinen Schulen. Hab mal eine Doku darüber gesehen. Da gibt es gar keine Diskussion. Aber hier kann man es ja einfach mal wieder so machen wie man will. Unglaublich.

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    • Wie Frau Dr. Hubig ja argumentativ betont gibt es 1500 Gemeinden in RLP ohne Grundschule. ( Frei nach dem Motto: stellt Euch nicht so an!)
      Ich empfinde dies als großes Manko für die Gemeinden! Und gehe davon aus, dasss diese Schulen, ähnlich wie die früher übliche kommunale Wassergewinnung usw. von den Behörden einfach weggewischt wurden. Der Wert dieser Einrichtung wird leider immer erst zu spät erkannt!
      Also Achtung: Einmal weg, immer weg!

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  1. Man kann solche Schulschließungsinteressen aus Spargründen nur immer wieder öffentlich anprangern, je mehr Empörung, desto besser! Das ist das Einzige, was die Entscheidungsträger zur Vernunft bringt.
    Vielen Dank für den Artikel.

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