Freispruch für Lehrer in Koblenz nach Vorwurf sexueller Handlungen – Im Zweifel für den Angeklagten…(Beitrag 10/2017)

Der Albtraum eines jeden Lehrers: zu Unrecht beschuldigt, Bezüge verloren.

So geschehen einem mittlerweile 61-jährigen Koblenzer Lehrer, dem die Schulaufsicht vorgeworfen hatte, am Gardasee während einer Abschlussfahrt von Gymnasiasten aus dem Hunsrück eine damals 19-jährige Schülerin sexuell bedrängt und erheblich verletzt zu haben.

Die zunächst zuständige Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach stellte seinerzeit (2013) zwar gegen den Willen der Schülerin aber dennoch die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Lehrer ein, da sie keine Aussicht auf Verurteilung wegen sexueller Handlungen sah und schon damals die Entscheidung auf widersprüchliche Angaben der Schülerin begründete.

Wegen Dienstunfähigkeit wurde der Pädagoge währenddessen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und erhielt ab diesem Zeitpunkt seine ihm zustehenden Pensionsbezüge.

Ruhestand genießen? Weit gefehlt! Die ADD erhob trotz eingestelltem strafrechtlichen Verfahren eine Disziplinarklage gegen den ehemaligen Lehrer mit dem Ziel, ihm die Pension abzuerkennen. Die Angelegenheit wurde vor dem Verwaltungsgericht Trier verhandelt, welches zunächst eine entsprechende Schilderung der jungen Frau nun als glaubhaft einstufte. Von einem besonders schwerwiegendem Dienstvergehen war aus der Urteilsbegründung zu hören, die Pension wurde dem Pädagogen mir nichts dir nichts aberkannt.

Daraufhin nun völlig mittellos, denn ein gesetzlicher Rentenanspruch oder andere Sozialleistungen bestehen für verbeamtete Personen nicht, legte der Verurteilte Berufung vorm Oberlandesgericht (OLG) in Koblenz ein. Diese Berufungsklage ergab eine deftige Klatsche für das Verwaltungsgericht in Trier und eine wohl Märchen erzählende junge Frau. 18 geladene Zeugen und eine sich immer wieder in Widersprüche verwickelnde junge Dame konnten das OLG nicht von einer Schuld des ehemaligen Lehrers überzeugen. „Im Zweifel für den Angeklagten“ hieß es vor allem aufgrund eines beauftragten Gutachtens, welches ergab, dass die Angaben der Schülerin nicht stimmen können. Quelle 1  Quelle 2

Was macht uns bedenklich? So einiges, vor allem aber:

  • wie schnell es gehen kann, dass, allen voran männliche Kollegen, Beschuldigungen solcher Art zu dramatischen Unannehmlichkeiten in diesem Beruf führen können;
  • wie mit Glaubwürdigkeiten umgegangen wird;
  • wie ausgesprochene Strafen/Urteile egal welcher Art zum Entzug der gesamten Lebensgrundlage (Bezüge) führen können und keinerlei finanzielle Unterstützungen seitens des Staates mehr greifen;
  • und – wessen Geistes Kind mal wieder ADD-Beamte sein müssen, wenn sie nach einem bereits eingestellten strafrechtlichen Verfahren dennoch ein Disziplinarverfahren einleiten. Besonders dieser Punkt raubt uns alle Nachvollziehbarkeit.

Wie gut, dass der zu Unrecht Beschuldigte die Kraft aufbringen konnte, sich zu wehren und in letzter Instanz ein für sich gerechtes Urteil erwirken konnte und nun seine Pensionsbezüge wieder erhält. Und wir alle im Lehrercafe erinnern uns nur zu gut an Geschichten wie Kachelmann und co.

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13 Gedanken zu “Freispruch für Lehrer in Koblenz nach Vorwurf sexueller Handlungen – Im Zweifel für den Angeklagten…(Beitrag 10/2017)

  1. Einer der ersten Kommentare meines Ausbildungslehrers war: „Wir dürfen aber nicht die Tür schließen, die muss offen bleiben, wenn zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts im Raum verbleiben. Gerade bei Besprechungen …“ Ich habe ihn ziemlich groß angeschaut und das zur Kenntnis genommen.

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  2. Ich habe mir während meiner kurzen Zeit in der Lehramtsmaschinerie immer vorgenommen, niemals mit einem Schüler alleine in einem Zimmer zu sein und Türen niemals zu verschließen – auch später in der Nachhilfe war die Tür zu meiem Raum immer offen, außer, es war besonders laut und in den anderen Räumen waren Kollegen. Denn genau das schwebte mir immer vor Augen: Es braucht nur einen einzigen Vorfall und einen leichtgläubigen Richter, und das gesamte Leben ist im Eimer… Als Mann hat man da nur sehr schwer eine Chance, und die, die falsche Anschuldigungen erheben, werden auch dann, wenn man es ihnen nachweisen kann, kaum bestraft.

    Wie ist es eigentlich mit der Pension: Normalerweise wird man doch gesetzlich nachversichert, wenn man aus dem Beamtenverhältnis ausscheidet. Oder bedeutet die Aberkennung der Pension, dass man dann tatsächlich so gestellt wird wie jemand, der niemals eingezahlt hat? Das wäre dann nämlich wirklich eine Sauerei! 😮

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      • So, jetzt haben wir uns nochmal schlau gemacht. Vielen Dank schonmal für Eure Nachfragen. Verliert ein Beamter seine Pension, wird er nachversichert. Er hat allerdings keinen Anspruch auf die normal üblichen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern lediglich einen Anspruch auf die „Mindestrente“, sprich Grundverwicherung. Diese wird Erwerbs- und Einnahmslosen auf Antrag gewährt und entspricht dem üblichen Hartz-IV-Satz. So der momentane Stand. Wann die Mindestrente mit 850,- € kommt, weiß niemand. Geplant war sie schon für 2014.

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  3. Was sowas angeht, sind Männer leider immer im Nachteil. Sei es als Lehrer oder Vater. Es gibt genügend Mütter, die nach einer gescheiterten Beziehung so das Sorgerecht dem Vater entziehen wollen. Und das kriegen die Väter selten los, auch wenn nix war.
    In der Schule ist es doch ähnlich. Hier sind Männer definitiv im Nachteil. In meiner Stadt wurde mal ein Schulleiter suspendiert (meine Eltern kannten ihn auch gut), weil er angeblich einen jungen im Kaufhaus begrapscht hätte. Dessen schuld wurde nie bewiesen, in den Schuldienst ist er trotzdem nie zurückgekehrt.

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    • Ja, neben teilweise prekärer und niedriger Bezahlung und immer mehr mangelndem gesellschaftlichem Ansehen auch ein Grund warum der Beruf Lehrer, v.a. an Grundschulen, so unattraktiv für Männer ist. Mann ( und auch Frau, man suche nur andere Anschuldigungen) kann als Lehrer schnell auch ohne Beweise demontiert werden.

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