Der pädagogische Nachwuchs im Kino…(Beitrag 9/2017)

Wer Disney Filme liebt, kann nicht anders in dieser Woche, sie/er muss ins Kino, denn Bell und das Biest rufen schon seit der Veröffentlichung zahlreicher Trailer. Um 14:00 war es soweit, Alexa, Ela, Tamara und zwei weitere Stammgäste des Lehrercafes trafen sich, bewaffneten sich mit Popcorn und Cola, nahmen Platz, ertrugen die Werbung und…. endlich, los gings.

Die Eingangsszenen zauberhaft, wir schmolzen dahin und versuchten uns, von einer brillanten Emma Watson einfangen zu lassen. Doch das sollte uns nicht gelingen. Leider! 

Eine Reihe schräg hinter uns saßen zwei schwergewichtige junge Damen, die unentwegt schwatzten. Ehrlich gesagt waren sie uns schon vorm Werbeblock aufgefallen, da sie sich lautstark über ihre Klausuren in Geschichte vom letzten Semester unterhielten, die sie mit 3,7 und 4,4 bestanden hatten. Die Klausuren dieses Semester hatten sie gar nicht erst angetreten – geschoben aufs kommende Semester. Weitere Angaben ließen uns schlussfolgern: Lehramtsstudium. Naja, jedem das seine. Traurig genug, andere in der Öffentlichkeit an solchen Peinlichkeiten teilhaben zu lassen.

Der Film lief und lief und der pädagogische Nachwuchs schwatzte nun nicht mehr nur, sondern quatschte mittlerweile lautstark. Szene für Szene verglichen die beiden mit der Zeichentrickversion und nervten mittlerweile auch andere. In derselben Reihe stöhnte schon jemand, eine Dame in unserer Reihe drehte sich des Öfteren um und hüstelte. Nichts half. Die Sprechwerkzeuge der angehenden Lehrkräfte waren nicht zu beschwichtigen. Vor dem Schlussteil platzte Alexa dann der Kragen. Eigentlich wollten wir nichts sagen, um nicht das Klischee zu bedienen: „Lehrer müssen sich immer belehrend in Szene setzen, wo sie gehen und stehen.“ Aber irgendwie war die Hemmschwelle überschritten, die Nerven lagen blank.

„So, jetzt reicht es aber! Ihr werdet es wenigstens für den Schlussteil schaffen, eure Klappe zu halten. Euer Gequatsche ist ja unglaublich!“

Ruhe, endlich… Die Schlussszenen waren gerettet, wir schmolzen wieder dahin, genossen den Abspann und erhoben uns seufzend.

Der pädagogische Nachwuchs stand schon und setzte an, Alexa zu belegen. ‚Man hätte ja wohl in der Mitte des Films mal höflich und nett verlauten lassen können, dass einen die Unterredungen stören.‘

Was soll man dazu sagen? Kopfschütteln aller weiteren Besucher und ein Kommentar aus einer vorderen Reihe: „Kauft euch die DVD und trefft euch zum Kaffeeklatsch zu Hause! Aber verschont den Kinosaal!“.

Wir sechs sind uns einig: entweder sie sollen durch die Prüfungen fallen und damit einem Hinweis vom Schicksal nachgehen, Augen auf bei der Berufswahl, oder sie sollen es ausschließlich mit undisziplinierten Schülern zu tun bekommen, um schnell die Flinte ins Korn zu werfen…

Wir sind gemein, das ist uns bewusst, aber unser so lange geplanter Filmnachmittag ist überschattet, und dann auch noch durch solche… nein, wir sprechen es nicht aus, wir trinken jetzt lieber einen. Und außerdem, der Film ist echt klasse. Können wir Disney-Begeisterten nur empfehlen. Es lohnt sich.

So, ihr lieben Leser da draußen, genießt die letzten Sonnenstrahlen, ab morgen soll es wieder regnerischer werden.

LG aus dem Lehrercafe, eure Ela☕

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18 Gedanken zu “Der pädagogische Nachwuchs im Kino…(Beitrag 9/2017)

  1. Bei uns damals gab es (im ja so hinterwäldlerischen Ostdeutschland!!!) Aufnahmeprüfungen für das Lehramtsstudium (ohne Aussicht auf Verbeamtung dort, auch wenn der Studienname das nahelegt). In vielen Fächern an allen Unis musste man eine solche Prüfung ablegen, um für das Lehramtstudium zugelassen zu werden.

    In meinem Fall (studiertes Fach Musik/Lehramt an Grundschulen) bedeutete das u.a., in einer ca. fünfstündigen Prüfung nur mit Hilfe einer Stimmgabel vom Klavier gehörte Tonhöhen und Ton – Intervalle zu bestimmen, in etwa 10 Minuten ein Kanon zu komponieren, vor drei Professoren drei Klavierstücke aus drei verschiedenen Epochen vorzutragen, ebenso ein Volkslied und ein Kunstlied und sich dann anzuhören, dass man vor Studienbeginn seinen Sigmatismus durch eine Logopädiebehandlung nachhaltig zu korrigieren hat. Dann gab´s ein ausführliches 50-minütiges Gespräch mit einem Professor und zwei Beisitzern aus der Praxis und man wurde gefragt, wie man Vivaldis „La primavera“ in einem 3. Schuljahr unterrichten würde. Die haben genau hingesehen und gut ausgewählt. Von 200 Leuten haben das 20 geschafft, am Ende des Studiums waren wir dann noch 15. Mit 4,4 in irgendeiner der kleineren Prüfungen/Klausuren/Hausarbeiten zwischendurch und am Ende des Studiums wäre genau eine Wiederholung drin gewesen und dann wär´s das gewesen. Da hat man halt in der Freizeit geübt, Haydns Streichquartette funktionsharmonisch zu analysieren, auch wenn man das in einer Grundschule nicht wirklich braucht. Beim Referendariat war´s ähnlich streng, was die didaktischen und pädagogischen Kompetenzerweiterungen in allen zu unterrichtenden Fächern anging. Da hatten wir alle für einen Kinobesuch schon mal erst Recht keine Zeit mehr. Da gab´s alle paar Wochen Besuch vom „Seminar“ – Lehrbeautragten, (inklusive vorher abzugebender 20-seitiger schriftlicher Unterrichtsvorbereitung in genau festgelegter Weise).

    Das Schöne dabei war, man hatte es im eigenen Studiengang und im Referendariat mit super Leuten, die sich gegenseitig unterstützten, zu tun. Niemand war irgendwie „laut im Kino“ oder hätte sich danebenbenommen. Wir wussten eben, uns winkt keiner mal eben so durch, ohne dass wir uns – mal gelinde gesagt, so richtig anstrengen müssten.

    Eine Werteumkehr in diese Richtung wäre äußerst hilfreich – und zwar durch alle Schularten und Schulstufen hinweg. Dann ist bewiesen, die Person kann´s. Wenn dann die Schulaufsicht dann noch aufhört, Helikoptereltern beim Demontieren von engagierten Lehrern zu unterstützen, dann kann´s richtig was werden.
    Wenn nicht, schwätzen die Studies dann im Kino nicht mehr nur laut…naja, ich will´s gar nicht weiterdenken!

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    • Liebe S., vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar und Einblick in deinen Werdegang. Auch wir sehen Aufnahmeprüfungen als sehr sinnvoll an, dein eigenes Beispiel und Belege aus den Skandinavien zeigen deutlich, dass es sich lohnt, vor dem Studium zu schauen, ob sich jemand für den Beruf als Lehrer eignet oder nicht. Erst letztes Jahr hat ein Mädel in der Nachbarschaft Abitur gemacht. Sie war sehr gut, studiert mittlerweile Psychologie. Zwei Mitabiturientinnen hatten einen Durchschnitt von 3,9. Der Traum von Medizin war damit geplatzt. Also auf ins Lehramtsstudium. Kein NC, keine Aufnahmeprüfung, hauptsache ein bestandenes Abitur, wie – egal. So wird es immer mehr bergab gehen mit der Bildung. Schönen Abend für dich und Grüße aus RLP in die Ferne.☕

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      • Lieben Dank für eure Antwort, ich bin ganz nah, in RLP, inzwischen. Gutes Beispiel auch, welches ihr da bringt. Was nutzt einem ein Einserkandidat als Chirurg, wenn er kein Blut sehen kann, oder als Psychiater, wenn er sich nicht in Menschen einfühlen kann? Genormte Aufnahmeprüfungen, so manipulationsfrei wie möglich, ist da einzige Lösung, bis wir dahin kommen, dass Lehrmeister egal welcher Zunft die Fähigkeiten ihrer überschaubaren Zöglinge wieder genau peilen können und sagen können: Jetzt können wir dir nicht mehr wirklich was beibringen, geh und lerne in der Praxis und mach es besser als wir…
        Eignungsprüfungen braucht man auch für solche Fächer Japanologie, da kann man schon gucken ob die Leute nur so mal ein Anime gesehen haben und naja, für Jura hat´s nicht gereicht – oder ob sie tatsächlich in der Lage sind, ein japanisches Schriftzeichen, welches sie mal kurz sahen, unter 20 ähnlichen herauszufiltern. 😉 Sonst hat man in schlechten Jahren auch mal 300 neue Studenten im Semester an einer Fakultät, die für 20 Studenten ausgerichtet ist, nunja, das Ganze siebt sich aus, aber was für eine Zeitverschwendung für alle Seiten! Idem für Musikwissenschaft u. co… Für Medizin, Jura, Mathe und BWL sowieso. Außer Abitur Eignung checken, das vermeidet Fehlbesetzungen…

        Lieben Gruß auch an euch!

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  2. Jo, den Film werd ich mir vermutlich auch demnächst anschauen.
    Solche Damen sind einfach nur schrecklich. Ich hasse es ja, wenn ich ins Kino gehe und Leute unterhalten sich, oder mampfen lautstark Nachos oder Popcorn oder sonst was. Ich geh doch nicht ins Kino, geb um die 10 Euro – wenns langt! – aus, um mir das Schmatzen und die Probleme anderer Leute anzutun!
    Weswegen ich eigentlich lieber auf dem heimischen TV schaue, das kostet meist weniger, und ich hab mehr davon. Hrmpf.
    Gut, dass ihr denen was gesagt habt! Und wie man mit 4,4 ne Prüfung bestehen will, das wüsste ich auch noch gerne, schlechter als 4,0 ist doch durchgefallen? Oder ist das mittlerweile auch passé, weil sonst ja niemand mehr besteht? *grummel*

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    • Wir haben sogar 11,50 bezahlt🙈. Leider gehören wir zu den Schmatzern, allerdings ist die Tüte immer schon zu Filmbeginn leer. Diese Werbeblöcker werden ja immer länger…aber schwatzen geht echt gar nicht.
      4,4 ist tatsächlich noch bestanden, geht bis 4,49. Kaum zu glauben aber wahr. Es ist und bleibt unbegreiflich – schlechtes Abitur + schlechtes Studium = verbeamteter Lehrer durch schlau gewählte Fächerkombinationen, die Mangelwahre darstellen, z.B. Physik, Mathe, Chemie…und dann sind sie losgelassen auf die nächste Generation von Kindern. LG Ela☕

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      • Teuer! 😮
        Ach, aber dagegen sag ich auch nichts. 😉
        Werbepause ist vor dem Film, und vor dem Film ist mir egal. 😉

        Richtig übel, dass man bis 4,49 nohc besteht! 😯
        Und die stehen dann mal vor der Klasse und sollen den Kindern was beibringen? Oder hoffen die einfach auf die Digitalisierung, wonach man als Lehrer nur noch die App startet und dann 45 Minuten lang Kaffee trinkt? ^^

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      • Die hoffen auf blonde und brave Mädchen, die wohlerzogen und schüchtern in der Bank sitzen. Merken dann aber nach geraumer Zeit, dass dem nicht so ist und entwickeln sich zu Geiferzicken und Drachen. Schrecklicblh.

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