Das Pausenbrot (Beitrag 7/2017)

Zweite Pause, Aufsicht in der Pausenhalle. Ich schaue mich um, lächle dem ein oder anderen zu. Alles ist ruhig, keine Ermahnungen, keine Vorkommnisse. Ein paar Mädels sitzen vor der Tür auf einer Bank und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Mit auf der Bank sitzt Janina. Sie ist neu an unserer Schule, kam vor drei Wochen zu uns. Mein Blick bleibt hängen.

Es tropft und tropf und … schmatzt.

Mit Genuss beißt Janina in ihr Sandwich und verschlingt es mit einer Hingabe, dass mir doch tatsächlich der Zahn tropft. Ein leckeres Fladenbrot, gefüllt mit Salami, Käse, Salat und Gurken und Tomaten und jeder Menge herrlicher und fantastischer Remouladensoße. Mhm, lecker…und dazu trinkt sie eine eiskalte herrlich erfrischende süße Limonade, die Dose hatte sie gerade aus dem Automaten gezogen.

Nun, lecker schon – aber auch gesund? Mein tropfender Zahn hört auf zu tropfen, als ich Janina genauer betrachte. Etwas stämmig das Mädchen, fast schon … , nein nicht fast, sie ist adipös. Wahrscheinlich weil sie jeden Tag vor der Schule in irgendeine der zahlreichen Bäckereien hineinschlendert und sich so herrliche aber über die Maßen kalorienreiche Mahlzeiten erkauft.

Hm, mal schauen, was die anderen so verzehren. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke viele essende Schüler: Brötchen mit Würstchen, Waffeln, Kuchen, Schokoriegel, eine Tüte Bonbons und da, ach es gibt sie noch, zwei Mädels mit Apfel und Banane, und noch ein Jüngelchen mit einer Brotdose und offensichtlich selbst geschmierten Stullen in der Hand.

Also ehrlich, wo ist das traditionelle Pausenbrot geblieben? Ich stehe jeden Morgen extra früher auf, um uns allen eine Brotdose mit Wurst- oder Käsebroten, Gemüsesticks und Obst zu füllen. Was machen denn die anderen Mütter?

Kein Wunder, dass die Konzentration so mancher Kinder im Unterricht sinkt, es fehlt einfach am Energielieferanten während der Pause.

Wieder in der meiner Klasse habe ich spontan alle ihre Brotdose auspacken lassen. Mal davon abgesehen, dass von 26 Hanseln nur 8 überhaupt eine Brotdose dabei hatten, deren Inhalt mehr oder weniger gesund erschien, fand ich die Antworten der anderen schon bedenklicher. Ich hatte gefragt, was sie in den Pausen essen würden und bekam zu hören, dass die meisten sich etwas beim Bäcker oder Schulkiosk kaufen würden und sogar gezielt dafür Geld von ihren Eltern am Morgen in die Hand gedrückt bekommen würden.

Tja, gute alte Zeit. Das ist sie mal wieder dahin. Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, dass zu meiner Schulzeit jeder ein relativ gesundes Pausenbrot von seiner Mama mit in die Schule bekam und meine Mutter erzählte dieses auch über ihre Schulzeit.

Wie sieht das so bei euch aus?

LG Ela Kaffeetasse

Advertisements

27 Gedanken zu “Das Pausenbrot (Beitrag 7/2017)

  1. Ich habe tatsächlich zwei unterschiedliche Kandiaten hier zu Hause. Das Elfenmädchen möchte ein selbstgeschmiertes Brot und ein wenig Äpfelchen dazu. Der Räuberhauptmann besteht auf das gekauft Käsebrötchen am Kiosk – da der aber eh sehr untergewichtig ist (noch 😉 ) lasse ich das auch (noch 😉 ) zu …..

    Gefällt 1 Person

  2. Wir schmieren für die Kleinen, aber die sind auch erst in der Kita. Wird sich aber später wahrscheinlich nicht ändern. In der Schule sehe ich aber recht häufig noch normale Brote und die altbekannten Dosen. Allerdings habe ich nicht so richtig drauf geachtet. Die Schulcafeteria wird jedoch auch gut besucht und da gibt es Baguettes und so ‚gesunde‘ Sachen aus dem Ofen. Das warme Mittagessen ist aber ganz ok an unserer kleinen Dorfschule. Allerdings: Wann war Schulessen jemals kein Aufreger? ^.^

    Gefällt 2 Personen

  3. Als Kind hatte ich auch immer geschmierte Brote und Obst dabei, obwohl es bei uns durchaus auch schon den Snackautomaten und das Brötchenmobil vom Bäcker gab, wo wir uns versorgen konnten. Ich pflege das bis heute und nehme mir ein Körner-Müsli und Obst mit für die Mittagspause. Dafür stehe ich aber nicht früher auf (weil ich es abends ansetze). Allerdings ist mir das allein meistens zu gesund und im Laufe des Tages brauche ich von irgendwoher Schokolade oder was sonstiges Süßes – das Gehirn braucht Kohlenhydrate, schnelle Kohlenhydrate. Ich kann eure SuS in der Hinsicht echt gut verstehen. *gg*

    Gefällt mir

  4. Da ich noch zur schule gehe, kann ich quasi live vor Ort berichten 😉 meine mutter schmiert mir und meinem Bruder eugentlich jeden Morgen 1-2 Stullen. Mal mit Käse, Wurst oder Morzarella. Dazu noch ein bisschen Gemüse und Obst, und eine kleine Süßigkeit (einen Schokoriegel oder so). Ich kann mich also nicht beschweren

    Gefällt 1 Person

  5. Ich hab immer selbstgeschmierte Brote bekommen, und ne kleine Süßigkeit als Nachtisch. Und so halte ich das bis heute, ich schmiere mir meine Brote und leg einen Schoko- oder Müsliriegel dazu. Nur an manchen Tagen, da geht es doch noch zusätzlich zum Bäcker, wenn der große Hunger anklopft….

    In der Grundschule bekamen wir von der Schule eine Flasche Milch gesponsert, täglich. Das waren noch Zeiten.

    Gefällt mir

  6. Mein Vater (! Nicht meine Mutter), hat mir bis zum Abitur täglich mein Brot geschmiert. Ich hatte aber tatsächlich Brot mit Käse und kein Obst dabei 😉 ab und zu habe ich Geld für das Schulkiosk bekommen. Wobei ich in der Grundschule schon auch Obst und Gemüse dabei hatte.
    Ich denke, ob die Kinder was mit kriegen liegt auch am Elternhaus und wie auf sowas geachtet wird.

    Gefällt mir

    • Das ist ja toll, dein Vater hats geschmiert. Hört man ja doch seltener.👏
      Ja, ich finde auch, es liegt am Elternhaus. Vielleicht auch ein bisschen an gesellschaftlichen Veränderungen. Heute gehen oftmals auch die Mütter Vollzeit arbeiten und da ist es leichter, wenn man den Kindern Geld mitgibt und sie sich selbst etwas kaufen. Früher waren viele Mütter daheim, so lange die Kinder schulpflichtig waren und hatten deutlich mehr Zeit für solche Dinge.

      Gefällt mir

      • Das mit dem arbeiten der Mütter spielt bestimmt eine Rolle. Bei mir haben aber auch beide gearbeitet, an der gleichen Schule und mein Vater auch eher mehr. Aber wir hatten z.b. auch immer Zeit gemeinsam zu frühstücken. Mein Freund und ich schaffen das gar nicht, unter der Woche gemeinsam zu frühstücken😂 (er frühstückt aber auch nicht: D)
        Ich denke aber auch, dass da viel Faulheit auch dabei ist. Am Anfang vom ref habe ich mir + Freund morgens immer brotboxen geschmiert. Dann wurde ich versetzt, hatte eine Zweitwohnung und schwups habe ich nur noch belegtes Knäckebrot mitgenommen (für eine Person hat sich Brot nicht mehr gelohnt). Als ich zurück kam, haben wir sonntags immer selbst Brot gebacken, aber das reicht nur bis Dienstag, also bin ich an den anderen Tagen immer zum Bäcker vor der Schule … (Aber dann brezeln gekauft :D)

        Gefällt mir

  7. Ich hatte immer Brötchen mir einem Belag, den ich mir im Gegensatz zu einigen meiner Klassenkameraden auch aussuchen durfte (gegessen habe ich es oft trotzdem nicht). Aber ich glaube nicht, dass die Schul-Brote in meiner Kindheit so pauschal gesünder waren – der Renner war bei uns in der Grundschule z.B. eine Weile die Eszet-Schnitte (so dünne Schokoladetäfelchen, die auf’s Brot gelegt wurden). Und die Trinkpäckchen, die viele oft hatten (Sunkist, Capri-Sonne), naja …

    Gefällt mir

  8. In der Grundschule hat meine Mutter noch meine Pausensnacks zubereitet, danach habe ich es selbst getan – ein Pausenbrot und geschnittener Apfel dazu. Es kam so einmal in der Woche vor, dass ich etwas Geld zugesteckt bekam, um mir etwas am Kiosk kaufen zu können, das war dann etwas Besonderes und wurde meistens in (je nach Jahreszeit heißen oder kalten) Kakao investiert.
    Heute bereite ich meine Lunchboxen abends vor.
    Bei Schülern beobachte ich Unterschiedliches. Die allermeisten bekommen tatsächlich etwas von zu Hause mit und auch durchaus gesund, aber wenn es möglich ist, sich zusätzlich oder alternativ etwas beim Schulkiosk zu kaufen, ist das natürlich cooler. Ich hoffe dann immer, dass die mitgebrachten Lebensmittel nicht weggeschmissen werden müssen.

    Gefällt mir

  9. Meine Große besteht auf eine geschmierte Stulle (samt Apfel o.ä.) PLUS einen kleinen Beitrag, um sich etwas vom Schulkiosk zu holen. Die Zwerge bekommen Stulle und Obst mit in den Kiga und im Kindergarten gibt es dank eines Supermarktbetreibers, der das sponsort, auch jeden Nachmittag eine kleine Obstpause.

    Gefällt mir

  10. Also hier oben in Schweden ist ja nicht nur das Schulsystem anders, sondern auch die Sache mit dem Essen. Im Kindergarten gibt es Fruehstueck, Mittagessen und nachmittags einen Obstsalat oder Knäcke. Ab der Grundschule dann – bis zum Ende der Schullaufbahn – gibt es dann „nur“ noch Mittagessen in den Schulen. Kostenlos. An meiner Schule sogar 3 Menus zur Auswahl (davon eines vegetarisch) + täglich ein Salatbuffee. Und es ist wirklich immer lecker und gesund. Natuerlich gibt es trotzdem (nicht wenige) Schueler die Worte wie „eklig“ oder „bäh“ im Zusammenhang mit dem Essen nutzen. Ich bezweifle, dass es so ein gutes Essen bei ihnen zu Hause gibt, aber das ist ein anderes Thema.
    Kurz um: Ich hätte meinem Sohn ein Pausenbrot + Obst und anderen Energiebringern mitgegeben, musste es aber nie 😉
    Liebe Gruesse an euch alle!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s