Wenn der Dienst (zu) privat wird (Beitrag 5/2017)

„Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps“, jeder von uns kennt sicher dieses Sprichwort und weiß um dessen Bedeutung, dass man dienstliche und private Angelegenheiten trennen sollte. Bereits zu Referendariatszeiten wurde es mir und meinen Mitstreitern zur Verinnerlichung mehr als einmal ans Herz gelegt.

In dieser Woche geschehen:

Die neue Unterstufenleiterin Frau Klarkson freundete sich mit der schon jahrelang an der Schule unterrichtenden und 10 Jahre älteren Kollegin Rot an. Nach einigen Wochen trafen sie sich bereits zum Kaffeeklatsch, nach einigen Monaten fuhren beide Ehepaare zusammen in den Urlaub. Frau Klarkson wurde schwanger, die Freude war groß. Als nach der Geburt die Taufe anstand, übernahm Frau Rot das gewichtige Amt der Patentante für die kleine Christine. Im Laufe der Jahre veränderten sich das Kollegium, die Struktur der Schule und ein paar weitere Kleinigkeiten, die für Frau Rot zur Belastung wurden. Sie begann Fehler zu machen, die Frau Klarkson zunächst mit Augenzwinkern und freundlichen Hinweisen deckte für ihre Freundin. Doch eines Tages war eine weitere Auffälligkeit nicht mehr zu vertuschen, was für Frau Rot dazu führen soll, dass sie einen bestimmten zu leitenden Aufgabenbereich in der Schule aufgeben soll/muss und in Zukunft „nur“ noch ihren Unterricht übernehmen soll. Auch eine Klassenleitung soll ihr nicht mehr gegeben werden im kommenden Schuljahr. Die Entscheidung der Schulleitung steht fest, die Übermittlung dessen jedoch oblag Frau Klarkson.

Wie sag ich es meiner befreundeten Kollegin, dass sie dies und jenes nicht mehr machen darf, wo mir doch die berufliche Distanz abhanden gekommen ist? Arme Frau Klarkson, in ihrer Haut möchte man sicherlich nicht stecken. Doch Frau Klarkson ist sich ihrer Position bewusst und bestellte am Dienstag Frau Rot ins Büro. So versuchte sie auf schonende und einfühlsame Art und Weise, Frau Rot die Entscheidung der Schulleitung nahe zu bringen. Ergebnis: Frau Rot weinte, schrie und verließ mit der Aussage den Raum, dass sie sich die Patentante sonst wo hinschieben könne ab heute.

Das Ausbalancieren des privaten und des dienstlichen Lebens ist bei Frau Klarkson und Frau Rot über die Jahre recht kompliziert geworden. Wie sollte dieses auch gelingen, wenn beides kaum/gar nicht noch voneinander zu trennen war? Wenn das Private das Dienstliche schluckt und umgekehrt, stehen Nähe und Distanz auf einem nicht mehr kalkulierbaren Podest, von dem es sich leicht herunterstürzen lässt. Und plötzlich werden aus Freunden Feinde.

Es gibt bei uns einige Kollegen, die ihre private Freizeit mit der Arbeit verknüpfen, jedoch betrachten diese Kollegen sich nicht als Freunde. Sie haben spontan mal was zusammen unternommen, hatten Spaß miteinander und gute Laune, mehr nicht. Der Schlussstrich wird bei diesen Kollegen immer wieder gezogen. Und das ist auch gut so. Denn diese Kollegen bleiben auch weiterhin in der Lage, sich distanziert dienstlich zu begegnen. Frau Klarkson und Frau Rot haben nie einen Schlussstrich gezogen, im Gegenteil, sie haben ihn gelöscht und sind sich über Jahre sehr intim begegnet, eine Grenze wurde überschritten. Wie schnell Probleme auftreten können, haben wir gesehen. Die jüngere Kollegin war auf der Karriereleiter nach oben gestiegen, Frau Rot nicht. Im Job kann man allerdings nicht immer Rücksicht auf Kollegen nehmen, auch wenn man sehr eng miteinander befreundet ist. Einen Freund möchte man unterstützen, als Vorgesetzter kann dieses schnell in Bevorzugung münden. Andere Mitarbeiter können so an der Seriosität eines Vorgesetzten zweifeln. Bald ist man der unfaire Buhmann. Lässt man die Unterstützung beiseite und macht als Vorgesetzter seinen Job, dann kann es so enden wie bei unseren beiden Damen, aus Freundschaft wird Hass.

Sich mit den Kollegen anfreunden, finden wir in Ordnung. Mit dem besten Freund zusammenarbeiten, finden wir auch kein Vergehen. Schwierig wird es allerdings immer dann, wenn Karriereabsichten anstehen oder dazwischen stehen. Von daher finden wir, dass man bei der Arbeit etwas Distanz wahren und sachlich bleiben sollte. Privates Leben  mit dem Arbeitsplatz zu vermischen, geht selten gut, zumindest auf Dauer und im Hinblick auf unterschiedliche Hierarchieebenen gesehen.

Wie seht ihr diese Thematik? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

LG Alexa

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6 Gedanken zu “Wenn der Dienst (zu) privat wird (Beitrag 5/2017)

  1. Es ist interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich diese Thematik gesehen wird. Wir sind ein sehr kleines Kollegium und kennen uns alle auch privat, manche private Unternehmungen finden schon auch mit Kollegen statt. Und es gibt auch richtige Freundschaften darunter. Vielleicht hängt das ganze ja mit der Größe eines Kollegiums zusammen?

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  2. Gerade bei einem so zeitintensiven Beruf finde ich persönlich es schön und auch irgendwo wichtig, dass einige zwischenmenschliche Beziehungen freundschaftlicher werden und nicht „aus Prinzip“ distanziert bleiben.
    Das Problem mit den Hierarchieebenen ergibt sich aber ggf. und ich denke, es ist möglich, trotzdem einerseits befreundet zu sein und andererseits professionell distanziert mit bestimmten Entscheidungen umzugehen.
    Frau rot in eurem Beispiel fehlt meiner Meinung nach etwas selbstreflexionsfähigkeit und die Erkenntnis/vergegenwärtigung, dass berufliche Entscheidungen nichts mit der Freundschaft zu tun haben und umgekehrt.

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  3. Noch sind es keine Kollegen, somit ist mein Blick da wohl ein etwas anderer. Ich habe eh die Hürde, dass ich einiges aus dem Privatleben als (vorerst?) unvereinbar mit dem beruflichen betrachte. Ich mische also nicht. Generell finde ich es unangenehm, wenn sich die Bereiche zu sehr vermengen.

    Eine sehr gute Freundin ist auch Lehrerin. Wir würden tatsächlich sehr gerne zusammen arbeiten und da würde sich die Frage auch nicht stellen, ob es der Freundschaft schaden würde. Jede würde es der anderen gönnen, wenn sich beruflicher Erfolg einstellt. Das hat ja weniger mit der befreundeten Person, als vielmehr mit der eigenen Qualifikation zu tun. Solange man das trennen kann, ist es machbar. (Und solange der Erfolg tatsächlich auf der beruflichen Qualifikation beruht. Aber das ist eine weitere Baustelle.)

    Allgemein finde ich das Maß an ‚Buschfunk‘, welches in unserem mittelgroßen Kollegium schon stattfindet, eher unangenehm. Ich halte mich gerne weiterhin daraus und schau von der Seitenlinie aus zu.

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  4. Puh, schwieriges Thema. Ich bin grundsätzlich ein Fan von „wir kennen uns auch privat ein wenig“, das macht die Zusammenarbeit leichter und angenehmer, wenn ich auch dazu neige, eher reserviert zu sein. Denn wenn es zu eng wird, kann das eine ungute soziale Dynamik nehmen.
    Im Beispielfall ist allerdings da etwas falsch gelaufen, wo Frau Klarkson Frau Rot anfangs gedeckt hat, statt von Anfang an das Gespräch zu suchen. Freundschaft im Dienst, gerade wo es um Hierarchien und Karrieren geht, lebt davon, dass man es trennen kann. Und das muss man von Anfang an tun. Frau Rot musste in dem Fall den Eindruck bekommen, Frau Klarkson steht unbedingt zu ihr. Das wollte sie wahrscheinlich auch vermitteln, das ist ehrenwert, aber ungesund.

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  5. Ich halte es für äußerst schwierig, gleichzeitig eine intensive kollegiale und freundschaftliche Beziehung zu führen. Solange eine der beiden Aspekten (privat / beruflich) eher an der Oberfläche bleibt, geht das. Kollegen, zwischen denen kaum berufliche Abhängigkeit bestehen, können sicherlich gut befreundet sein; umgekehrt können enge Kollegen natürlich mal zusammen was unternehmen. Aber wegen der teilweise völlig unterschiedlichen persönlichen Anforderungen an meine Kollegen und meine Freunde und vor allem wegen der konfliktären Loyalitäten sind Probleme doch vorprogrammiert.

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