Achtung, Ansteckungsgefahr (Beitrag 3/2017)

Auf dem Weg zur Schule verrät mir der freundliche Radiomoderator, dass es seit dieser Woche den 30. Grippetoten zu verzeichnen gibt, die Grippe sich ungewöhnlich früh und vor allem in heftigster Ausprägung verbreitet, verbunden mit dem Ratschlag an die üblichen Gruppen, sich auch jetzt noch vorsorglich impfen zu lassen.

Nicht weiter darüber nachdenkend betrete ich zur ersten Stunde die 12a. Das übliche Gewusel des Auspackens und Hinsetzens herrscht, es dauert ein paar Minuten, bis endlich alle zur Ruhe kommen. Das gibt mir Zeit, etliche Beobachtungen anzustellen.

Tobias niest in seine Hand, wischt sich das aufgefangene Sekret genussvoll an seiner Hose ab, setzt auf seinen Stuhl. Wer sich da wohl nachher hinsetzt?

Marie hustet aus vollem Hals, ohne sich auch nur ansatzweise irgendetwas vor den Mund zu halten. Nun kommen 24 Menschen in den Genuss, ihre gut versprühten Tropfen einatmen zu dürfen. Lecker…

Markus packt seine Frühstücksdose aus, sein Bus fährt so früh, dass er es nie schafft, zu Hause zu frühstücken. Er nimmt das wirklich appetitlich aussehende Brötchen in die Hand und beißt hinein. War er Hände waschen???

Der Radiomoderator drängt sich in mein Bewusstsein zurück und vermengt sich mit meinen Gedanken. Als Leni ihre triefende Nase in ein Tempo schnäuzt, es sieht schon mehrfach benutzt aus, und dieses wieder in ihre Hosentasche stecken will, platzt es aus mir heraus.

„Bah, mir ist schlecht!“

„Bitte was? Wieso ist Ihnen schlecht?“, fragt Nane zurück.

„Weil ich euch beobachte, darum ist mir jetzt schlecht…“

Alle sind still. 24 Augenpaare schauen sich fragend an, schütteln den Kopf, tuscheln miteinander und tauschen sich wohl weiter fleißig Tröpfchen aus, fassen sich an und wahrscheinlich überträgt genau in diesem Moment irgendjemand in diesem Raum einen Erreger mit einem Mitschüler aus.

Natürlich könnte man jetzt denken, ich solle die Kirche mal im Dorf lassen. Aber diese Worte des Radiomoderators, sie gehen mir partout nicht aus dem Kopf.

Spontan beschließe ich, den Unterricht komplett umzuschmeißen und ziehe eine DVD aus dem Schrank. Meine Kollegin hat neulich über Mikroorganismen vor einer Klasse referiert und abschließend einen Film dazu mit ihren Schülern geschaut. Sie berichtete mir von der tragende Weite, die sich im Anschluss ergab. Das musste jetzt auch für die unwissenden 24 Hanseln her.

„Contagion“ (https://youtu.be/yz9F-k4_M5c) – kennt diesen Film jemand von euch? Ich habe ungefähr die erste halbe Stunde mit der Gruppe angesehen, danach haben wir abgebrochen und sind in eine Diskussionsrunde übergegangen. Da der Film nicht auf Action ausgerichtet ist, sondern eher einer Dokumentation anmutet, passte er hervorragend zu meinem Vorhaben. Und siehe da, ganz so unwissend sind die Herzchen gar nicht, nur unbedacht und leichtsinnig.

Die erste halbe Stunde des Films stellt auf ziemlich dramatische Art und Weise dar, wie Beth Emhoff ein neuartiges Virus von Hongkong in die USA einschleppt und sowohl unterwegs wie auch zu Hause in ihrem Heimatort zahlreiche Menschen ansteckt. Die Zahl der Todesfälle auf der ganzen Welt nimmt exponentiell zu, das Virus lässt sich nicht unter Kontrolle bringen. Diese erste halbe Stunde zeigt auch, welche Dinge als alltägliche Übertragungswege für Infektionen in Frage kommen: Türklinken, Handläufe, die Stange zum Festhalten im Bus, der Fahrstuhlknopf usw.

Die Diskussionsrunde verlief sehr munter. Eigentlich alles, was man als Laie zum Thema Ansteckung und Prophylaxe wissen sollte, konnte ohne irgendwelche Hilfsmittel erarbeitet werden und verhalf zu einer kurzweiligen 90 minütigen Unterrichtseinheit, die weder geplant aber dafür sehr sinnvoll war.

Die Stunde endete damit, dass Michael aufsprang und zum Handwaschbecken rannte, um sich sehr ausgiebig mittels Unmengen von Seife seine Hände aufs gründlichste zu reinigen. Seine 23 Mitstreiter taten es ihm gleich und mir bei mir war doch tatsächlich die aufgezogene Übelkeit schlagartig verschwunden.

Ich hoffe, ihr seid bzw. bleibt alle gesund. Denkt immer dran, die Hände sind unser größter Übertragungsweg und jeder von uns fasst sich 3-4 mal in der Minute unbewusst ins Gesicht.

Liebe Grüße aus dem Lehrercafe, heute von Alexa Kaffeetasse

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28 Gedanken zu “Achtung, Ansteckungsgefahr (Beitrag 3/2017)

  1. Sehr gut!!

    Mittlerweile wissen sogar die Ärzte, dass häufiges Händewaschen und sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen tausendmal besser vor der echten Grippe schützt als jede Impfung.

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  2. Ich habe den Zwang, wann immer ich eine Schülerhand schütteln musste (zum Geburtstag meistens) mir in der Pause die Hände zu waschen, um die fiesen Kinderviren möglichst bald wieder loszuwerden. 😉

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  3. Coole Idee! 🙂

    Und ja, es gibt so viele Dinge, auf die man im Alltag nicht achtet. Und doch, ich als Geist, der immer verneint, muss teilweise widersprechen: Wenn man für jedes Schnäuzen ein neues Taschentuch braucht und auch gleich wegwirft, freut sich die Umwelt. Nach jeder berührten Tür die Hände waschen ist schlicht unmöglich. Versuch nur mal, die Toilettentür zu öffnen und dir danach die Hände zu waschen. 😉
    Und nicht zuletzt: In einer sterilen Welt – die ja doch die Konsequenz einer konsequenten Reinlichkeit wäre – wären die Immunsysteme dermaßen schwach, dass es zur Katastrophe käme. ^^

    Ich huste und niese un die Armbeuge, hab ein Taschentuch in der Hosentasche, das durchaus mehrfach benutzt wird, und doch seh ich es nicht so eng. 🙂

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  4. Spontan ist immer gut und schön auch, wenn so etwas Sinnvolles dabei herauskommt. Und eins fand ich klasse, dass die Schüler dann doch noch so vieles zum Thema beitragen konnten. Gerade bei der Vorbeugung zu Infektionserkrankungen wissen eigentlich die meisten die grundlegenden Dinge, aber viele Menschen halten sich nicht dran und sind dann ganz verwundert, dass sie sich angesteckt haben. VG Nele

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