Die Epochalnote – Monatsbeitrag Januar

Eine hektische Woche liegt hinter uns – und eine nervige. Es ist Notenzeit: Klassenlehrer wollen möglichst Tage vor dem eigentlichen Notenschluss alle Noten in diverse vorgegebene Listen eingetragen haben, Schüler erfragen vorab ihre Leistungsstände und regen sich (häufig zurecht) über die letztens vergebenen Epochalnoten auf, die ihnen doch noch die Zeugnisnote versauen oder bei anderen angeblich zu unrecht heben und bitten um Erklären des Zustandekommens. Dieses muss in einigen Klassen derart heftig vonstatten gegangen sein, dass im Lehrerzimmer eine heftige Diskussion darüber entstand, ob man überhaupt noch Epochalnoten vergeben sollte und wenn ja, welchen Kriterien sie unterliegen sollte.

Nun ist es so, dass nicht unbedingt in jeder Schulform tatsächlich Epochalnoten gegeben werden müssen. Wer muss, das besagen eindeutig verschiedene Regelwerke (Schulordnung, Schulgesetz). Beispielsweise besagt die Mainzer Studienstufe (MSS, = Regelwerk für die gymnasiale Oberstufe) eindeutig, dass Epochalnoten zu erheben und in die endgültige Leistungsbewertung einzuflechten sind und in welchem Verhältnis sie zu Klausuren oder anderen erbrachten Leistungen stehen. Diesem Druck braucht sich ein Berufsschullehrer einer Fachschulklasse nicht unbedingt zu unterziehen. Jede Fachschulordnung regelt eigenständig, ob epochale Noten zu geben sind oder nicht. Um dem Unfrieden im Klassenzimmer zu entgehen, gibt es mittlerweile etliche Lehrer, die sich den Stress nicht mehr antun und lieber ein bis zwei schriftliche Hausaufgabenüberprüfungen oder kleinere angekündigte Tests schreiben lassen.

Epochalnoten sind also möglich, aber nicht für jeden verpflichtend. Entscheidet man sich, solche Noten zu vergeben oder ist verpflichtet, ist es auf jeden Fall zwingend notwendig, die Aussagen der jeweiligen Schulordnungen zu berücksichtigen. So ist es beispielsweise laut übergreifender Schulordnung nicht zulässig, nur eine Epochalnote pro Halbjahr zu geben, denn Epochalnoten beziehen sich auf Unterrichtseinheiten und nicht auf Schulhalbjahre. Es ist auch unzulässig, Epochalnoten an den Noten der geschriebenen Klassen- oder Kursarbeiten zu orientieren, leider ein beliebtes Mittel vieler Kollegen. Oftmals liegt an großen Klassenstärken (bis zu 34 Schüler pro Klasse) und einer einstündigen Wochenstundenzahl. Der Lehrer kann nur wenigen Schülernamen ein Gesicht zuordnen, also passt er die Epochalnoten der schriftlichen Leistung an. Schriftliche und mündliche Leitungen sind allerdings getrennt voneinander zu bewerten. Was spricht dagegen, jeden einzelnen Schüler aufzurufen, einen Gesichtserkennung-Namens-Abgleich vorzunehmen und dann in der Schule eine Epochalnote festzulegen? Unserer Meinung nach nichts.

Viele Lehrerkollegen verwechseln eine heutige Epochalnote leider mit den früheren mündlichen Noten. Liebe Kollegen, früher hatten wir sogenannte Kopfnoten: Mitarbeit, Fleiß, Verhalten und Ordnung. Das ist lange vorbei und überholt und durch die Epochalnote, die in die Sammlung fachlicher und schriftlicher Note mit einfließen soll, abgelöst worden. Verhalten und Mitarbeit sind in einigen Schulformen noch auf dem Zeugnis zu finden bis Klasse 10, in vielen Schulformen gibt es auch diese nicht mehr.

Wir haben unsere Leistungselemente, die in eine Epochalnote einfließen sollten, hier einmal aufgeführt. Tatsächlich darf es nämlich nicht ausschlaggebend sein, dass die Anzahl der Meldungen ausschließliches Kriterium für eine Epochalnote sind. Das so etwas dann zu Aufregern führt, ist verständlich.

(vorgeschlagene, unsere) Leistungselemente für Epochalnoten

(Der/die SoS = Der Schüler oder die Schülerin)

  • Der/die SoS kann zu Beginn der neuen Unterrichtsstunde die Lernergebnisse der vergangenen Stunde zusammenfassend darstellen.
  • Der/die SoS hat stets die geforderten Unterrichtsmaterialien dabei.
  • Der/die SoS ist in der Lage, Kernprobleme und Wege zur Lösung zu benennen.
  • Der/die SoS beteiligt sich aktiv und vor allem konstruktiv am Unterrichtsgeschehen,-gespräch, so dass er/sie den Unterricht in seiner Qualität vorantreibt.
  • Der/die SoS bemüht sich, deutlich und (wenn gefordert) in der Fachsprache zu sprechen – er spricht in ganzen Sätzen und vermeidet es, mit seiner Ausdrucksweise, andere zu beleidigen oder sich Wörter der Fäkalsprache zu bedienen.
  • Der/die SoS hat stets seine Hausaufgaben sorgfältig angefertigt.
  • Wenn angebracht, hat der/die SoS sich mehr als gefordert auf den Unterricht vorbereitet (über den Unterrichtsstoff Informationen aneignen…).
  • Die Mitarbeit des/der SoS ist wechselhaft: reden nur nach Aufforderung, Anerkennen gestischer und mimischer Bekundungen, Erklärungen an nicht verständige Mitschüler geben usw.
  • Der/die SoS arbeitet in Gruppenarbeiten aktiv mit und achtet darauf, dass jeder Gruppenteilnehmer die gleiche Arbeitsmenge leistet. Die Gruppe erzielt gute Ergebnisse und präsentiert diese ansprechend. Während der Gruppenarbeit wird darauf geachtet, andere Gruppen nicht zu stören.
  • Der/die SoS hält sich an vereinbarte Regeln und erledigt Arbeitsaufträge in vorbildlicher Manier.
  • Der/die SoS behindert weder das eigene Lernen noch das seiner Mitschüler.
  • Der/die SoS kommt pünktlich oder kann Verspätungen nachvollziehbar begründen.

Jeder Lehrerkollege sollte sich an diese sowie eigens festgelegte Kriterien für alle seine Schüler halten und diese auch zu Beginn seiner Tätigkeit vor der Klasse transparent darstellen. Wichtig ist, dass man zu aufgestellten Kriterien auch die soziale Bezugsnorm sowie die individuelle Bezugsnorm in seiner Leistungsbeurteilung beachtet. Die soziale Bezugsnorm ist von besonderer Bedeutung, erfasst sie doch in einem nicht unerheblichen Maße die Beiträge der/die SoS zum Gelingen und Fortschreiten des Unterrichts.

Transparenz und gleiches Anwenden von Kriterien bei allen Schülern schafft zumindest den Ansatz von Gerechtigkeit, auch wenn Epochalnoten nie vollends gerecht sein werden. Schüler am Festlegen der Epochalnote mitwirken zu lassen, finden wir im Sinne einer gerechten Gestaltung sehr vorteilhaft. Natürlich legt der Lehrer am Ende die Note fest, Schüler allerdings bei der Notenfindung mit einzubinden ist erlaubt und pädagogisch auch sehr wertvoll. Dazu kann man von jedem Schüler eine eigene schriftliche Einschätzung einholen und diese mit seinem eigenen Lehrervorschlag ab- bzw. vergleichen.

Die Notenverkündung  kann öffentlich vor der gesamten Klasse erfolgen, wenn alle damit einverstanden sind. Das ist auf jeden Fall zeitsparend, kann allerdings auch im Nachhinein noch zu Befindlichkeitsstörungen bei Einzelnen führen. Individuelle Notenbekanntgaben finden in unseren Schulen häufig auf dem Flur statt, ein Tisch, zwei Stühle, Lehrer und Schüler reden miteinander. Vorteil: Erläuterung, Kompromissfindung bei ungerechtem Empfinden; Nachteil: stört häufig andere, Passanten (und die gibt es regelmäßig auf Schulfluren) hören manchmal mit. Hierzu muss wohl jeder seinen eigenen Weg finden, für und bietet ein Formblatt mit angekreuzten Kriterienpunkten eine gute Lösung.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag allen geholfen zu haben, die sich schwer tun im Umgang mit Epochalnoten. Und wir freuen uns auf eure Kommentareicon-sets14.

LG aus dem Lehrercafe – Ela und Alexa Kaffeetasse

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27 Gedanken zu “Die Epochalnote – Monatsbeitrag Januar

  1. Danke! Als Mutter sage ich Danke und würde diesen Beitrag soooo gerne manchem Lehrer mit auf den Weg geben. Aber ich mische mich ungern in die Arbeit anderer Menschen ein (außer ich meine, dass da etwas komplett verquer läuft)…. Andererseits werde ich beim nächsten Elternsprechtag doch mal vorsichtig diesbezüglich nachfragen…. Was das Thema angeht, dass man viele Schüler nicht kennt wegen großer Klassen und nur 1 Std pro Woche Fachunterricht: An der Schule meines Sohnes macht ein Fachlehrer zu Beginn des Schuljahres Fotos von den einzelnen Schülern …. ob erlaubt oder nicht – ich finde es sinnvoll 🙂 Und ich finde es toll, dass ihr aus Lehrerinnensicht schreibt! Ich finde das einfach auch mal hilfreich und sinnvoll für all die vielen Eltern, die sich oft unnötig in Lehrerarbeit einmischen ….. 🙂

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  2. Ich war froh als Schüler, dass es Epo-Noten gab. Die haben mir meistens die Noten gerettet, da meine Stärken eher im mündlichen lagen. Sie abzuschaffen fände ich daher unfair. Und wie motiviert man ohne, dass dir Schüler mitmachen im Unterricht.
    Jetzt bin ich in Bayern und da gibt es UBs (Unterrichtsbeitragsnoten). Die dürfen aber maximal über einen Zeitraum von 2 Wochen gemacht werden und nicht bei allen gleichzeitig. Was ich irgendwie dämlich finde. D.h. ich beobachte immer ein paar Schüler genauer. Aber auf zwei Noten pro HJ komme ich beim besten willen nicht. Und hier haben die Schüler auch keine Bringschuld (also die Mitarbeit darf nicht mitbewertet werden, außer man findet die richtige Begründung). Aber wie macht man z.B. einem 6. Klässler, der sich ständig meldet klar, dass seine Leistung nur einer 4 entspricht. Das demotiviert ein Kind doch völlig.

    Aber deine Liste finde ich gut. Vielleicht wende ich die auch an.

    Und noch eine kleine anektode aus meiner MSS Zeit. Meine Mathelehrerin war der Meinung, dass man für eine 3 mind. 3 Beiträge die Stunde muss…

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  3. Kleine sprachliche Verwirrung (ich bin Österreicherin). Unter „Epochalnoten“ hätte ich mir besonders gute Noten vorgestellt und war zunächst verblüfft darüber, dass ihr eine Diskussion darüber habt, ob man solche vergeben soll/darf/muss 🙂 Die SoS gefallen mir auch ganz ausgezeichnet. Es ist vergnüglich zu sehen, dass es anderswo auch seltsame und/oder unglückliche Abkürzungen gibt 🙂

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    • Hallo Myriade, es freut uns, so länderübergreifend zu berichten. Eigentlich finden wir Abkürzungen auch recht unglücklich. Und eigentlich kommt SoS von SuS, Schülerinnen und Schüler. Wir haben aus „o“ u gemacht😁. Epochalnote kommt von Epoche, also eine Leistung für einen bestimmten Zeitraum. Wie siehts dazu bei euch in Österreich aus? Gebt ihr auch solche Noten oder habt ihr noch Kopfnoten?

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      • „Kopfnoten“ ist mir auch kein Begriff. Wir haben ein in zwei Semester unterteiltes Schuljahr – September bis Ende Jänner und Februar bis Anfang Juli. Im Februar gibt es eine „Schulnachricht“ und im Juli ein Jahreszeugnis.
        Ah, verstehe, SoS statt SuS. Das ist witzig und leuchtet mir voll und ganz ein 🙂 Bei allen Unterschieden sind einander die SoS wohl international seeeehr ähnlich 🙂

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    • Ich weiß nicht, ob das noch jemand liest, aber als Österreicherin in Rheinland-Pfalz ganz kurz die grobe Übersetzung: Epochalnoten entsprechen ungefähr der Mitarbeitsnote, die Kopfnoten sind so etwas ähnliches wie die Betragensnoten.

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      • Oh ja, ich bin gerade am Lesen. Vielen Dank ! Aha, ich hab gedacht die Epochalnoten sind irgendwelche Zwischennoten für eine „Epoche“ des Schuljahrs, und was wohl Kopfnoten sein könnten, war mir ganz schleierhaft…. Aber zum Glück gibts ja herumflatternde interkulturelle Dolmetscherinnen 🙂

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    • Das ist eine Art mündliche Note für einen bestimmten Zeitraum. Allerdings zählt nicht nur, wie oft man sich meldet und etwas sagt, wie die übliche Mitarbeitsnote, sondern es zählen die genannten Kriterien dazu, die wir aufgezählt haben.
      Da meint man kaum, dass man in einem Land wohnt, oder?😂

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  4. Danke für die tolle Aufstellung. Und den Tipp mit der Auflistung nutze ich eher andersherum, ich lasse gern die SuS nach meinen Kriterien eine eigene begründete Note aufschreiben. Mit mind. je einer positiven u. negativen Anmerkungen zu ihrer Leistung.

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  5. Heißt bei uns ‚Sonstige Mitarbeit‘ (NRW) und setzt sich in etwa genau so zusammen, wie ihr es sehr schön zusammengetragen habt. Die Liste ist gleich mal gespeichert worden 🙂 Macht aber auch tatsächlich jeder irgendwie anders und da es nicht richtig definiert ist, ist es schwer da allgemein etwas zu zu sagen.

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    • Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Wie man gewichtet, ob man alle oder nur ein paar Kriterien verwendet, Schüler mit einbindet oder nicht. Wir möchten nur daraufhin weisen, dass eine Epochalnote mehr bedeutet als die Anzahl von Meldungen pro Stunde.

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  6. Einige Informationen sind mir neu, andere halte ich für fraglich (und entschuldige mich schon gleich dafür, dass ich nicht alle durch Nachschlagen korrigiere. Gefunden habe ich z.B. § 45 Absatz 3 Satz 1 und § 56, Absatz 2.
    Dass „die MSS“ besagt, Epochalnoten seien zu erteilen, ist mir in meinen (Lehrer-) Schuljahren in RLP noch nicht begegnet. Wo steht das denn?
    Man kann durchaus nur eine Epochalnote geben, aber eben nicht eine fürs ganze Halbjahr. Eine „Epoche“ sollte ungefähr eine Unterrichtseinheit oder einen anderen sinnvollen und überschaubaren Zeitraum umfassen, man sollte ankündigen, wann sie startet, wann sie endet und wie die Kriterien sind. Nicht jede Unterrichtsreihe eignet sich zur Vergabe von Epochalnoten, finde ich. Und die Gewichtung dieser Note um Vergleich zu HÜs und anderen Leistungsnachweisen im Bereich der „sonstigen Noten“ ist sowieso meine Sache.

    Die hier vorgestellten Kriterien finde ich sinnvoll, Selbsteinschätzung der SuS ist damit möglich (wenn man das machen will), Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Listen, die die Studienseminare bei der Referendarsausbildung nutzen, sehen ähnlich aus.
    Aus leidiger Erfahrung mit SuS, die ihre Eponoten mit dem Taschenrechner in der Hand („Ich brauche aber…“) entgegennehmen und am liebsten direkt zu feilschen begönnen, habe ich für mich beschlossen, dass eine Epo-Note in meinen Lerngruppen nie die letzte Note in einem Halbjahr ist. Dann kann auch keiner bejammern, dass nur wegen der ach so fiesen Eponote die Zeugnisnote ruiniert wurde.

    PS: Habe Lehrercafé erst jetzt entdeckt und finde den Ansatz prima.

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