Gastbeitrag zur Motivation in der Schule

Wir sind angemailt worden, ob wir nicht auf unserem Blog auch mal einen Gastbeitrag veröffentlichen möchten. Nun, wir sind sehr wählerisch und vorsichtig, aber in diesem Fall finden wir es doch sehr lohnenswert.

Eine private Nachhilfe für Pflegeschüler blogt von Zeit zu Zeit einen kleinen Beitrag. Dieses Mal ging es um Motivation in der Schule. Ein Schüler einer Fachschule hat zu Beginn des 3. Ausbildungsjahres seine Motivation verloren und beschreibt in einem Artikel, der in einer Fachzeitschrift erschienen ist, wie er seine Motivation wiedererlangt hat. Positiv denken, penetrant positiv denken, verbunden damit, sich immer wieder daran zurückzuerinnern, warum man sich in diese Ausbildung, in diesen Beruf, begeben hat, sieht er am Ende als Lösung für seine Motivation, durchzuhalten bis zum Schluss, bis er seinen Abschluss in der Tasche hat.

Fatal in diesem Beitrag: angesprochene Lehrer konnten keinen wirklichen Rat geben, nur den, dass sich die Schüler etwas suchen sollen, womit sie sich motivieren können. Naja….toller Ratschlag.

Schüler können sich natürlich selbst motivieren, indem sie sich Ziele setzen und daran arbeiten, sich selbst positiv wahrzunehmen. Wenn sich Schüler selbst als kompetent erleben und sogar aus einem Misserfolg eine Motivationssteigerung erfahren, indem sie eigene Handlungen kontrollieren, haben wir es, so denken wir, mit einem erträumten Schüler zu tun, den wir noch nicht so wirklich in der realen Schule vorgefunden haben. Vielleicht liegt es daran, dass der Schüler im Gastbeitrag erwachsen ist und schon Lebenserfahrungen aufweist, die unsere jungen Schüler noch nicht erfahren haben. Wer weiß…

Wir sind jedenfalls der Meinung, dass es sich bei der Motivation in der Schule um ein Geben und Nehmen handeln sollte, damit es klappt, mit dem positiven Denken. Und zwar auf beiden Seiten. Den Ball ins Rollen bringt aus unserer Sicht schon irgendwie die Lehrperson, finden wir. Motivation steht in einem engen Zusammenhang mit der psychosozialen Gesundheit aller Beteiligten sowie des eigenen Wohlbefindens. Hat die Lehrperson ein hohes Eigeninteresse an Motivation und Wohlbefinden, wird sie es sicher auch auf ihre Schüler übertragen. Dazu gehören allerdings auch Rahmenbedingungen, die es ihr ermöglichen, dieses Eigeninteresse zu fördern. Ständiger Druck von oben, Konferenzenmarathon und  Einengungen stören die Psychohygiene hingegen.

Natürlich kann man Motivation auch nicht erzwingen. Sie muss schon aus dem Menschen selbst erwachsen. Sich selbst zu reflektieren, sich für neue frische Ideen zu öffnen, die Schüler ernst nehmen und auch ihnen mal zuhören, optimale Lernbedingungen schaffen und immer wieder motivierende Reize schaffen kann dazu führen, dass der Funke überspringt und man sein Gegenüber mit motiviert. Dann engagiert sich der Schüler, stört nicht, es gibt keinen Stress und alles klappt besser.

Viele Faktoren spielen eine Rolle bei der Motivation. Wir jedenfalls sind motiviert und das spüren ganz sicher auch unsere Schüler. Wenn man Jahre später auf sie trifft, sie eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren und einem freundlich entgegentreten und so was äußern, wie: „Ach, was hatten wir Spaß bei Ihnen, wir vermissen Ihren Unterricht schon ein wenig…“ dann haben wir wohl einiges richtig gemacht und unsere Häschen motiviert ins Leben hinaus geschickt.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen des Gastbeitrags und motivierende Grüße aus dem Lehrercafe, Alexa und Ela  Kaffeetasse

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Zwischen Motivation und Frust

Oliver Siegel ist 26 Jahre alt. Er absolviert gerade eine Ausbildung zum Altenpfleger (3. Jahr, Leipzig) und studiert gleichzeitig Gesundheits- und Pflegemanagement in Berlin. In einem Artikel in der Fachzeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“ beschreibt er, warum es sich lohnt, durchzuhalten – trotz der widrigen Bedingungen. „Mit der Motivation ist das so eine Sache. Ich befinde mich in der Ausbildung zum Altenpfleger, das dritte Jahr hat gerade begonnen. Ein kritischer Punkt – das sagen alle in meinem Umfeld. Die Motivation in meinem Kurs ist momentan sehr schlecht. In den Pausen erzählt man sich nicht mehr, wie lustig gewisse Situationen sind, sondern man spricht jetzt darüber, wie deprimierend und frustrierend alles ist.“ So beginnt er seinen Bericht und setzt ihn fort mit Erläuterungen zu den Rahmenbedingungen. Dabei geht er gedanklich allerdings nicht in die praktische Einrichtung sondern in die Fachschule. „Das, was wir hier lernen, ist überhaupt nicht umsetzbar!“ führt er als Tenor seiner Klasse an. Siegel kritisiert die zwar wichtigen Inhalte der Ausbildung, wobei sich jedoch Theorie und Praxis meilenweit voneinander entfernen, womit er unterrichtete Lerninhalte der Fachschule und umsetzbare Inhalte in der Einrichtung meint. Als Beispiel führt er die Prüfungsordnung auf, die immer noch das Beschäftigungsangebot vorsieht, welches jedoch einer gewissen Ironie entbehre, da kaum eine Fachkraft realistisch gesehen Zeit zur Beschäftigung habe. Des Weiteren haben bereits die meisten Einrichtungen andere Kräfte für Betreuungsleistungen eingestellt. In der Klasse haben Siegel und die Klassenkameraden heftig mit den Lehrern diskutiert, die am Ende nicht wirklich gegen die Argumente der Schüler Rat wussten („Der Alltag sieht anders aus!“, „Alle meckern nur rum!“, „Es wird sich nie etwas ändern!“). Den einzigen Ratschlag, den sie den Schüler gaben, war: „Sucht Euch etwas, womit Ihr Euch motivieren könnt.“ Siegel erinnert sich an seine eigenen Motive, die ihn seinerzeit bewogen, in die Altenpflegeausbildung zu gehen und erinnert sich dabei an gewollten Kontakt zur älteren Gesellschaft, dem Wunsch nach Wundmanagement durchführen zu dürfen und Krankheitsbilder zu kennen. Nach dieser Selbsterkenntnis war seine Motivation wieder da, nun kämpft er gegen den Frust der Klassenkameraden. Und dabei fragt er sich nun, wie man jetzt helfen kann. Die Lösung sieht Siegel im positiven Denken, „positiv sein, so richtig penetrant.“ Das Studium will er durchziehen und dann die Welt verbessern. Dazu hat er vor, „die Arbeitsbedingungen so zu beeinflussen, dass Pflegende ihren Job wieder mit Freude machen können – zur Not werde ich Politiker.“ „Man muss nur endlich zuhören und handeln! Ich kann nur an alle Frustrierten appellieren und sagen, dass es sich lohnen wird, durchzuhalten. Verliert nicht die Ruhe, erinnert euch daran, warum ihr diesen Job machen wolltet. Macht ihn so, wie es sich gehört. Irgendwann wird man schon merken, dass es so, wie es derzeit läuft, nicht mehr funktioniert.“ Mit diesem Aufruf endet Oliver Siegels Beitrag. Wir wünschen ihm alles erdenklich Gute für seine Zukunft und hoffen sehr, dass sich seine Ziele in die Tat umsetzen lassen. Für die Lernstation Pflege, Susanne (www.lernstationpflege.wordpress.com)

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2 Gedanken zu “Gastbeitrag zur Motivation in der Schule

  1. Penetrant positiv denken … Und den Willen entwickeln, es besser zu machen. Ich finde, die zweite Komponente ist sogar noch sehr viel wichtiger, denn hinter den beschriebenen Missständen steckt ja ein Pflege-System, dass diese Missstände eigentlich beheben sollte. Aber hinten und vorne nicht funktioniert. Das lässt sich nicht weglächeln und wegdenken, es erfordert Handlung. Aus Lehrersicht: Ja, die Praxis mag anders aussehen, aber was ihr hier lernt ist wichtig, weil es so sein sollte. Also ist es an euch, Druck zu machen, dass es so werden wird. Das mag hochnäsig oder klingen, aber solange Pflegekräfte z. B. springen, sobald das Telefon klingelt und eine Vertretung gebraucht wird, wird sich daran nichts ändern, dass man ständig angerufen wird und seine Überstunden nicht los wird. Die Veränderung muss von der Praxis her kommen.

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    • Ich stehe auch auf dem Standpunkt, dass eine Berufsgruppe aus sich heraus Veränderungen beiführen muss. Zum Theorieunterricht kann ich nur sagen, obwohl ich mich mit Unterrricht in Fachschulen nicht besonders gut auskenne, wenn Prüfungsordnungen bestimmte Dinge verlangen, sind auch Lehrer machtlos. Dann müssen Sie es unterrichten. Das ist ein Faktum. Wie man allerdings auf die frustrierten (was ich ehrlich gesagt von Demotivation abgrenzen möchte, ich denke nämlich, dass die Schüler im Beitrag eher frustriert sind) Schüler seitens der Lehrerschaft reagierte, fand ich nicht so gelungen. Da hätte ich mir mehr erwartet. LG Ela

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