Privat oder gesetzlich?


Etwas neidisch blicke ich auf diese kleine wunderhübsche Chipkarte, welche die Dame vor mir der Arzthelferin über den Tresen reicht. Selbige wird eingelesen, man bedankt sich mit einem Lächeln und die hüstelnde Dame darf sich ins Wartezimmer setzen. 

Ich brauche nichts rüberzureichen. Wäre ich das erste Mal hier, müsste ich wohl ein paar Angaben machen – zu meiner Person, Adresse, Versicherungsgesellschaft und vielleicht müsste ich die Vereinbarung für die Abrechnungsstelle unterschreiben. Das nervt, besonders im Urlaub, wo auch schon mal der Personalausweis verlangt wird oder direkt abkassiert wird. Alles schon erlebt, in Deutschland. Die Debeka reagiert auf solche den Kundenservice betreffende Anfragen, wann man denn mal daran denke, auch seinen Versicherten eine Karte auszustellen, penetrant stur und ohne Entgegenkommen. 

Ich setze mich neben die hüstelnde Dame im Wartezimmer. Ach was hat sie es gut, denke ich, sie wird keine Rechnung nach Hause bekommen, die sie mittels weiterer ausgefüllter Formulare an die Debeka Krankenversicherung und die Beihilfestelle schicken muss. Sie muss nicht in Vorleistung gehen, weil Debeka und Beihilfestelle mal wieder Wochen brauchen, bis sie den Rechnungsbetrag erstatten. Wenn man Glück hat, sogar zu 100 %. Doch wie häufig hat meine Familie das Glück schon verlassen, trotz vorheriger eingereichter Kostenvoranschläge, wenn es um Facharztrechnungen geht. Ob nun durch Eigenmächtigkeiten des Arztes in der Gebürenberechnung oder Willkür des Beamten des Landesamtes für Finanzen sei dahin gestellt, oft für den Betroffenen auch gar nicht nachvollziehbar. Was zunehmend nervt ist der Leistungsbescheid, der irgendwann mal eintrifft, nach Wochen oder Monaten, nachdem man längst seine Rechnung beim Arzt bezahlt hat, um einer schon nach mittlerweile 8-10 Tagen eintreffenden ersten Zahlungserinnerung entgegenzusteuern, welcher zunehmend mit kleinen Zahlen am Rand ausgewiesen ist. Diese kleinen Zahlen, die als Fußnoten unmißverständlich erläutern, dass man gar nichts oder nur einen Bruchteil der Rechnungsgebühr zurückerhält, treiben eine Mutter eines Vierpersonenhaushaltes, in dem alle privat versichert sind, da beide Elternteile verbeamtet sind, zur Weißglut. Unzählige Telefonate und schriftliche Einsprüche sind die Folge, um seine Finanzen wieder ins Lot zu bringen, ganz abgesehen davon, dass sich Frust und Wut immer wieder lautstark und auch manchmal mittels nicht ganz zivilisierter Personenbezeichnungen hinzugesellen. 

Der Reihenfolge nach werden die Patienten aufgerufen. Egal ob privat oder gesetzlich, bei meinem Hausarzt sind wir alle Menschen, die Hilfe benötigen. In dem Punkt hat meine Familie schon das eine oder andere Mal bei Fachärzten einen Vorteil genossen, das gebe ich gern zu. Die ein oder andere Therpie haben wir gegenüber den gesetzlich Versicherten sicher auch auf der Habenseite. Aber auch für Wahlleistungen im Krankenhaus oder beim Zahnarzt sind entsprechende Zuzahlungen in Form eines erhöhten Tarifes zu zahlen. Bleibt häufig in der Öffentlichkeit unerwähnt. Nicht zu vergessen der jährliche Eigenanteil bei der Beihilfe pro Jahr pro Person, was dazu führt, dass man im ersten Quartal seine Gesundheitsrechnungen mittlerweile aus eigener Tasche bezahlt. Bleibt auch häufig unerwähnt. 

Ich komme dran, werde untersucht, weil ich sehr stark erkältet bin, bekomme ich ein Rezept. Der Arzt nimmt sich ein paar Minuten mehr Zeit, als für meine Vorgängerin, fragt höflich nach, wie der Krankenstand nach nur vier Wochen in der Schule aussieht, kommt noch auf das Wetter und kurz auf die Politik zu sprechen. Dafür kassiert er aber auch den 2,5 fachen Satz gegenüber den gesetzlich Versicherten und erhebt eine Pauschale für Beratung und Terminvereinbarung von über 20,- € (obwohl ich ja anrief!), weiß der Himmel warum. Mir dröhnt der Kopf, ich könnte gegen die Wand laufen und habe eigentlich gar keine Lust auf Smalltalk. Seis drum.

An der Rezeption treffe ich wieder auf die hüstelnde Dame. Sie bekommt das rosane Rezept, ich das blaue. Eindeutige Kennzeichnung des Status. Ich schiele rüber, und siehe da, es steht das gleiche Antibiotikum drauf wie bei mir. Vielleicht muss sie eine kleine Zuzahlung in der Apotheke leisten. Die habe ich allerdings schon durch den All-Inclusiv-Tarif abgegollten. Sie bekommt aber garantiert keine Rechnung nach Hause…

Schnief, hust, krächz…mir gehts wirklich nicht gut. Ich liege in meinem warmen Bettchen und ärgere mich, dass ich nicht draußen im Garten das schöne Wetter genießen kann. Vielleicht kommen sie deswegen, diese grummeligen Gedanken an die blöden versicherungstechnischen Unterschiede und behördlichen Ärgernisse des Alltags. 

Nun denn, gute Besserung für alle Kranken da draußen, viele werden sich angesprochen fühlen, LG Ela 💊

Advertisements

16 Gedanken zu “Privat oder gesetzlich?

  1. Gute Besserung! Bei schönem Wetter erkältet ist sowas von Mist und Verschwendung, ich hasse es auch immer.

    Was den Rest angeht: Ich lebe noch in banger Erwartung, was das wohl geben wird, aber bisher musste ich es noch nicht nutzen und erfahren. Das was du hier schreibst macht keinen Mut …

    Gefällt mir

  2. Ich kann mit der privaten Krankenversicherung auch nichts anfangen, obwohl meine recht schnell und kompetent ist. Wenn ich wieder als Angestellte arbeite, werde ich trotzdem zurück in die gesetzliche wechseln…

    Dir gute Besserung! Ich bin auch krank und schniefe hier traurig vor mich hin, weil das Wetter dieses Wochenende so schön ist. 😦

    Gefällt mir

  3. Ich bin mein leben lang bei der privaten (Eltern Lehrer). Der „Wechsel“ war ganz einfach. Meine Mutter hätte sogar weiter zahlen können. Bei vielen zicken sie ewig rum. Mein Vater ist übrigens auch bei der debeka, und dort braucht die Bezahlung immer länger als bei der Continentalen. Und ich habe ein Kärtchen. Das ist echt praktisch.
    Mich nerven aber besonders die Zusatzleistungen. Ich habe neulich meiner besten Freundin (Medizinerin) eine Rechnung vom Frauenarzt vorgelesen, sie war sehr überrascht und meinte einiges hätte ich gar nicht gebraucht. Na danke auch. Aber als dumme pkv weiß man natürlich nicht, was gemacht werden muss.
    Ganz toll auch mein Hausarzt, der mir 100 Mal Blut abnehmen wollte, wegen einer Erkältung. Und das jeden Monat neu. Beim Zahnarzt hingegen bin ich über die mehrleistungen und die vorbetäubung ganz froh. Aber ansonsten nehmen die einen einfach aus 😦 ich habe heute erst meine gesammelten Rechnungen dieses Jahres weg gebracht, 549€ …
    Gleichzeitig sagt mein Freund, dass sobald es geht, er mit mir in der pkv sein will, da er mittlerweile gesetzlich versichert ist.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s