Des Lehrers Handschrift…

Angeregt zu diesem Thema wurden wir durch einen nachdenklichen Beitrag unseres verehrten Bloggerkollegen Zeilenende, der ihn einfach nur Handschrift nannte.

Nun – Lehrer schreiben viel, tagein tagaus haben sie mit dem Schreiben selbst oder aber auch dem Geschriebenen anderer Menschen zu tun. Letzteres erhalten sie handschriftlich, denn darum soll es uns hier gehen, von Kollegen nur noch in Form kleiner überaus wichtiger Zettelchen, die als Notiz im Klassenbuch oder am jeweiligen Lehrerfach des Empfängers kleben. So wie wir den Erhalt dieser Zettelchen beurteilen, sind diese in der Regel recht leserlich. Schließlich will der Schreiber ja etwas erreichen mit seiner Nachricht (Bitte um nachzutragende Unterschriften, Mitteilung eines Anrufs, Bitte um Erledigung irgendwelcher dringenden Angelegenheiten usw.).

Spannender wird es mit der Lesbarkeit schon, wenn es darum geht, Schülergeschriebenes zu entziffern. Sicher kommt es hierbei auf die Jahrgangsstufe an, Grund- und Unterstufenschüler schreiben meist noch in einer netten Schönschreibschrift, in den oberen Klassen aber drohen so manche Arbeiten in einer Nichtkorrektur zu enden, da die Buchstaben nur noch Hieroglyphen ähneln, dessen Deutung nicht jeder Lehrer mächtig ist. Und genau jene Schüler sind es oftmals, die sich über die Handschrift des Lehrers beschweren. Natürlich auch andere, aber die Handschrift des Lehrers steht bei gewissen Anlässen unweigerlich in der Kritik.

Ein Lehrer outet sich mit seiner Handschriftlichkeit, sofern er sie benutzt, stets an der Tafel. Multimedia hin, Multimedia her – die gute alte Tafel ist zumindest in Deutschland immer noch das meistgenutzte Medium im Unterricht, welche mittels Benutzung von Kreide des Lehrers Bild entstehen lässt, das mal Bewunderung oder auch Anerkennung und manchmal eben auch Entsetzen, harsche Kritik und ständiges Nachfragen hervorruft bei den Nutzern des entstandenen Tafelbildes. Ärzte schreiben mit einer Sauklaue, Notare schreiben wie fleißige Schulmädchen – und wie schreiben Lehrer?

Wir sind uns im Lehrercafe einig darüber geworden, dass es nicht die Lehrerhandschrift gibt, wie oft behauptet wird. Was wir allerdings in unseren Beobachtungen schon feststellen konnten ist, dass sich die Handschrift des Lehrers an die jeweilige Schulform bzw. Schulart schon anpasst und eine gewisse Lesbarkeit vom Schreibenden fordert, ob nun an der Tafel oder im Heft. Grundschullehrer sind quasi per Verordnung gezwungen, des Grundschulkindes geforderte Schreibschrift auch an der Tafel oder im Kommentartext unter dem Test/der Aufgabe anzuwenden. Diesem wird absolut jeder Grundschullehrer auch gerecht. Betritt man den Klassenraum eines ausgebildeten Hauptschullehrers, spiegelt die Tafel eine schöne, geschwungene und lesbare Schrift. Diese Lehrer schaffen es wirklich, mit freier Hand so gerade wie auf einer Linie zu schreiben, als hätten sie ein Lineal unterm Handballen kleben. Da kann man vor Neid fast platzen. Respekt. Und die meisten Lehrer, die für die oberen Jahrgänge zuständig sind? Die nehmen es häufig mit der Lesbarkeit nicht mehr ganz so ernst und bepflastern die Tafel mit einer Handschrift, die zumeist von Schülern mit gruselig bezeichnet wird und Ausrufe wie „Wer soll denn das lesen können?“ hervorlockt. Wir wollen uns nicht ausnehmen, auch unsere Schriftbilder unterliegen nicht immer den Grundkriterien der lateinischen Ausgangsschrift, aber was manche unserer Kollegen so fabrizieren, würde bei anderer Berufswahl sicher zum Tot des Patienten führen. Man könnte sich herausreden, dass man nicht mehr mit der Hand zu schreiben gewohnt sei, da man der SMS-Generation angehört und sich statt Tinte und Feder nur noch auf Tasten zu beschränken weiß. Sämtliche schriftliche Arbeiten müssen heute elektronisch eingereicht werden, eine generelle Forderung von Universitäten und Fachseminaren, von daher sei die Handschrift über Jahre vernachlässigt worden. Sind diese Ausreden zulässig und sinnvoll? Hat ein Schüler einen Anspruch auf eine ordentliche Handschrift seines Lehrers?

Wir rätseln und meinen schon, dass man sich im Sinne der Vorbildwirkung bemühen könnte, ordentlich zu schreiben. Und wer das Kriegsbeil der Feinmotorik absolut nicht begraben bekommt, könnte ja auch auf Medien wie Overheadfolie oder PowerPoint zurückgreifen und findet damit sicher Freunde.

Den Niedergang der Handschrift fördern solche Medien leider im Nebeneffekt noch zusätzlich. Dabei gibt es so schöne Füllfederhalter und bedruckte Papiere, die handschriftlich versehen ihres Daseins erst gerecht würden. Schreiben, schön schreiben, kann man üben, dann klappt es auch wieder besser an der Tafel.

Wir bestellen noch eine Runde Cappuccino und ordern zusätzlich Papier und Stift.

„Was habt ihr denn vor?“, fragt Toni uns erstaunt.

„Wir schreiben dir einen Liebesbrief“, antwortet Tamara.

„Na, hoffentlich kann ich den lesen, bei eurer Lehrerklaue…“, schüttelt Toni grinsend den Kopf.

Sicher könnte man noch andere Überlegungen anstellen, bspw. ob es einen Unterschied zwischen den Handschriften der einzelnen Fachlehrer gibt – schreibt ein Deutschlehrer schöner und lesbarer als der Sportlehrer? Aber das würde den Rahmen hier sprengen und unseren Cappuccino nur zur Abkühlung verhelfen. Also überlassen wir die weiteren Anmerkungen euren Kommentaren und freuen uns darauf.

Bis dahin dann, liebe Grüße aus dem Lehrercafe Kaffeetasse

Update 15.07.2016: Unsere liebe Bloggerkollegin Ms Phye hat nun wiederum durch uns angeregt einen sehr interessanten Beitrag zu diesem Thema auf ihrem Blog verfasst, „Das geschriebene Wort“. Wer Lust, kann ihn hier lesen.

 

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12 Gedanken zu “Des Lehrers Handschrift…

  1. Ich gebs zu, meine Schrift fällt in die Kategorie ‚Sauklaue‘ oder ‚Arztschrift‘. Ich habe direkt mit Druckschrift an der Tafel angefangen, weil ich weiß, dass sonst niemand etwas lesen könnte. Ich mag verschiedene Schriftarten sehr gerne, habe Kalligraphie auch immer mal wieder betrieben, aber im Alltag fließt alles schnell dahin und wird dabei sehr unleserlich für viele.

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  2. Ich oute mich als Mr. Sauklaue, dafür wurde ich auch von einigen Lehrern mehrfach auf die Schippe genommen. Gab aber trotzdem nie Schwierigkeiten oder Abzüge, auch, weil ich mich in Klausuren bemüht habe, für meine Verhältnisse sehr lesbar zu schreiben. Ich kann das nämlich auch anders. Da finden sich in manchen Blöcken Aufschriebe aus Vorlesungen, die aus Kürzeln, Sauklaue und durch Unlust/zunehmende Schläfrigkeit hervorgerufene, ausschweifende Buchstaben, bestehen.
    Jedenfalls: Schreiebn ist etwas Tolles, auch und gerade von Hand.

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    • Schreiben von Hand hat was, sehen wir auch so. Unsere Kinder werden in jedem Urlaub genötigt😊, so „altmodische“ Urlaubsgrüße wie handgeschriebene Postkarten zu verschicken. Die Empfänger (nicht nur Omas und Opas, auch die Freunde) sind total verzückt, statt einer whatsapp so was Tolles zu bekommen. Seufz…

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    • Schreiben von Hand hat was, sehen wir auch so. Unsere Kinder werden in jedem Urlaub genötigt😊, so „altmodische“ Urlaubsgrüße wie handgeschriebene Postkarten zu verschicken. Die Empfänger (nicht nur Omas und Opas, auch die Freunde) sind total verzückt.

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  3. Die gleichmäßigste und sauberste Handschrift von meinen Kollegen haben zwei Mathelehrerinnen und ein Bio/Ch-Lehrer – nix Deutschlehrer 😉
    In einer meiner Klassen stammt die beste Handschrift vom verhaltensauffälligsten Schüler – was sagt mir das? Unterschätze ich ihn seit Jahren?

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    • Kein Deutschlehrer? Wow, unglaublich.
      Tja, das Unterschätzen oder vielleicht auch manchmal falsche Einschätzen verhaltensauffälliger Schüler ist bekannt, das er allerdings die beste Handschrift hat, ist ja ein Ding.

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  4. Ich bin ja ganz begeistert, dass mein kleiner Beitrag zu Handschriften so viele verschiedene Reaktionen hervorgerufen hat, kommentiert und geteilt wurde … Und eigene Beiträge provoziert. Danke dafür.
    Lehrer sind ja sowas wie die letzten berufsmäßigen Schreiber, mein Hausarzt benutzt auch seit Jahren diverse elektronische Endgeräte. Und auch wenn man auf Polylux statt Tafel zurückgreift (so habe ich es bei Referaten unter Schulbedingungen gemacht), darauf muss man auch schreiben (auch wenn ich Tafelschreiben immer schlimmer fand, weil es dann schief wurde).
    Die Typologie nach Schulformen war spannend. Jetzt im Rückblick kann ich das auch bestätigen, selbstständig den Finger drauflegen könnte ich nicht. Aber spannend wäre es mal zu erforschen, ob Lateinlehrer ihre Anschriebe in die Tafel meißeln. Wenn sie das tun, dann gibt es definitiv einen Fachzusammenhang. *gg*

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