Wie gemein …

Die fertige Referendarin und baldige Kollegin Sabia kam gestern in der großen Pause ins Lehrerzimmer, die Wangen hochrot und grinsend. 

„Wir haben es getan“, warf sie noch immer sichtlich aufgeregt in die Runde unserer Tischgesellschaft.

„Du siehst aus, als wolltest du uns mitteilen, dass du schwanger bist“, meinte Bernd daraufhin.

„Aber nein doch. Als ich letzte Woche erfuhr, dass ich hier bei uns eine Planstelle bekomme zum 01.08. haben uns mein Mann und ich entschlossen, zuzuschlagen. Und gerade eben haben wir es getan. Ich komme direkt vom Notar, wo wir den Kaufvertrag für unser Häuschen unterschrieben haben. Muss ein bisschen was renoviert und erneuert werden in den kommenden Jahren, aber wir sind nun stolze Eigenheimbesitzer. 30 Jahre Kredit abzahlen, aber wir schaffen das schon“, grinste Sabia immer noch wie ein Honigkuchenpferd. 

Wir jolten und gratulierten, bis wir die Stimme vom Nachbartisch vernahmen. Meike konnte sich mal wieder nicht zurück halten und redete drauflos: „Meine Güte, wie kann man sich da nur freuen und dann auch noch gratulieren? 30 Jahre Abzahlungen. Seid ihr noch bei Trost? Wenn ihr es nicht habt, dann mietet weiter!“, wobei sie das Wort mietet besonders betonte. „Schau, wir sind absolut schuldenfrei. Schon nach 10 Jahren waren wir raus aus den Krediten. Vernünftiges Eigenkapital machte es möglich. Aber nicht so ein Quatsch wie bei euch. Da werdet ihr noch dumm aus der Wäsche gucken, wenn die erste große Rechnung kommt, weil was zu reparieren ist außer planmäßig.“

Uns stockte der Atem. Sabias Grinsen war verschwunden, die erregte Freude dahin.

Unser Tisch sagte ihr trotzdem weiterhin, wie wir uns mit ihr und ihrem Mann freuten und dass wir schon bzgl. einer Einweihungsparty zur Hilfe bereit stünden.

Im Geiste aber dachte ich nur, wie gemein von Meike. Eine junge Kollegin, Planstelle, Häuschen, glücklich verheiratet, das Leben beginnt. Aber sie wird immerhin nicht allein in ihrem Haus sitzen, so wie Meike. Deren Mann ist von morgens bis abends in seiner Bank zugange und amüsiert sich regelmäßig mit seiner Sekretärin bis spät in die Nacht. Überstunden nennt er das. Wahrscheinlich war sie deswegen auch so gemein, weil sie das Glück anderer nicht aushalten kann. Aber es nicht auszuhalten und anderen die Freude am Leben zu nehmen, nenne ich nur gemein. Irgendwann rede ich vielleicht mal ihr darüber. Gestern dachte ich mir nur meinen Teil und wollte Sabia helfen, das glückliche Empfinden zurück zu gewinnen.

LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela

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6 Gedanken zu “Wie gemein …

  1. Wie böse! Missgunst ist ganz hässlich… Ich hoffe, Sabia war nicht zu getroffen!

    Ich hatte mal einen Kollegen, bei dem immer alles „einmal-mehr“ war. Egal, was man erzählt hat, er hat sowas so oder so ähnlich auch mal erlebt und seine Geschichte ist immer einmal fröhlicher, trauriger, spannender, gemeiner, krasser,… Furchtbar! Da mochte man am Tisch auch nichts mehr erzählen.

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  2. Einerseits, andererseits … Wobei in dem Falle gilt: Bei so einem soliden Job kann man sich die dreißig Jahre Abzahlung gönnen, es sind dafür auch 30 Jahre, die man in den eigenen vier Wänden verbringt. Wenn man auf sowas steht, dann ist das die richtige Entscheidung. Von daher genau die richtige Wahl, der jungen Kollegin den Rücken zu stärken. 🙂

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