Entscheidungen zum Schuljahresende

Zum_Amtsschimmel_02 (4) Wie immer gilt es zum Schuljahresende unzählige Entscheidungen zu treffen. Sinnvolle Entscheidungen, notwendige, überflüssige, unsinnige, idiotische und viele mehr werden getroffen von einem oder mehreren Entscheidungsträgern mit mehr oder weniger Sachverstand, Gefühl, Kompetenz und Menschlichkeit in sich tragend.

Lehrer entscheiden i.d.R. zu dieser Zeit über Noten, darüber, ob ein Schüler in die nächst höhere Klasse versetzt wird oder ob er eine Prüfung bestanden hat und damit einen Abschluss erhält.

Übergeordnete entscheiden i.d.R. zu dieser Zeit über organisatorische Dinge das kommende Schuljahr betreffend. Diese Entscheidungsträger entscheiden aus ihrer Autorität und Funktion heraus und legen willentlich etwas fest, um eine Sache in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Während Lehrer in ihren Entscheidungen schnell und zügig mit Schülern, deren Eltern oder auch Ausbildern von Schülern Entscheidungen besprechen, neu finden oder revidieren können, sehen Entscheidungsgewalten zwischen den Bediensteten der Schule schon schwieriger aus und führen zum Schuljahresende vielerorts zu Reibereien, Missstimmungen, Nervenkriegen und verbalen Auseinandersetzungen, die eigentlich kein Mensch braucht. Zivilisiertes Verhalten, absolute Transparenz, logisch nachvollziehbare und kompetente Entscheidungen würden die alljährlich wiederkehrenden Differenzen in so manchen Lehrerzimmern im Keim ersticken. Nicht so in unseren drei Lehrerzimmern.

In unseren Schulen traten Streitigkeiten zu folgenden Entscheidungen auf:

– Zuweisungen / Zuordnungen zu nicht gewünschten Teams,

– Ignorieren von (untergeordneten) Teamentscheidungen,

– Anzahl zu unterrichtender Stunden,

– nicht nachvollziehbare Fächer-, Klassen- und Schulformzuweisungen,

– Übernahme von Klassenleitungen,

– Erfragen von Wünschen und Nichterfüllung dieser,

– Raumzuweisungen,

– Budgetkürzungen,

– willkürlich festgelegte Einsätze in Grund- und Leistungskursen.

Dazu kamen bereits bekannt gegebene oder keine Entscheidungen von „ganz oben“:

– festgelegte Abordnungen,

– abgelehnte Versetzungsanträge,

– noch nicht entschiedene Anfragen, obwohl die Zeit drückt,

– Nichtbesetzen von Planstellen,

– fehlende Neueinstellungen,

– durch Abwesenheit glänzende Ansprechpartner.

Selbst im Lehrercafe haben wir gemerkt, dass wir untereinander ziemlich gereizt von „unseren“ Entscheidungen der einzelnen Schulen berichteten und wie aggressiv wir noch darüber diskutierten. Bei manchen Entscheidungen waren wir noch immer nicht „heruntergekommen“ vom Frustrationspegel, der uns fast zur Weißglut getrieben hatte.

Warum ist das so, fragen wir uns? Warum jedes Jahr aufs Neue?

Sollten Entscheidungsfindungen nicht stets zwar objektiv (Rahmenbedingungen, Regeln, Gesetze sind vorgegeben) aber dennoch auch subjektiv vollzogen werden? In den wenigsten Entscheidungen konnten wir allerdings auf legitimierte Entscheider (Schulleitungsmitglieder und ADD-Beamte) treffen, die geprägt sind durch die subjektiven Grundlagen, die ihre Verfügungsgewalt als Amtsträger an sich innehaben sollte. Alternativen/Kompromisse sind von diesen Entscheidern weder bevorzugt noch begünstigt worden, Wünsche und Vorlieben von späteren Handelnden sind über Bord geworfen worden, sinnvolle und logische Herangehensweisen nicht beachtet worden.

Es wäre so vieles leichter, angenehmer und wohlfühlender im Alltag Schule, wenn man mehr in Entscheidungsfindungen darauf achten würde:

– was jemand möchte und wie er es möchte (oder auch Gruppen),

– gut funktionierende Teams nicht irrational auseinanderzureißen,

– Wertvorstellungen und Erfahrungen zu berücksichtigen,

– welche Konsequenz die getroffene Entscheidung für den Einzelnen oder die Gruppe nach

sich zieht.

In Alexas Schule sind bspw. momentan zwei Entscheidungen „von ganz oben“ getroffen worden (eine Abordnung, eine Ablehnung eines wirklich tollen Konzeptes), die durch die Mehrheit des Kollegiums abgelehnt wurden, die Entscheidungen wurden nicht akzeptiert. Anstatt man dort nun in konstruktive Gespräche geht, gastieren Kritik, Streit, Protest, Schuldzuweisungen – und letztendlich dienstliche Anweisungen. Leidtragende sind vor allem drei ältere Lehrerkollegen, ohnehin zum Schuljahresende gestresst und gesundheitlich angegriffen erleben sie nun zum Ausklang des Schuljahres solch einen unsinnigen Nervenkrieg und schaden ihrer Gesundheit noch mehr. Leidtragende auch – die Familienangehörigen. Derartiger Stress verlagert sich immer auch nach Hause. Leidtragende auch – die Schüler. Als direkte Ansprechpartner nach einer nervenaufreibenden Pause oder nicht abgebautem Frust vom Vortag erleben sie demotivierte Lehrer und wahrscheinlich eine schlechte Unterrichtseinheit.

Das Geheimnis guten Entscheidens besteht unseres Erachtens darin, alle Beteiligten mitreden zu lassen, für Alternativen empfänglich zu sein und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Leider geschieht dieses bei Entscheidungsfindungen sehr selten. Aus guten Gründen sind Menschen ja mit Gefühl und Verstand ausgestattet, dieses ist wichtig, um nicht nur aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern sorgfältig abzuwägen, welche Entscheidung man treffen sollte.

Erstaunlich leicht lassen sich Entscheider in unseren Schulen und Schulbehörden immer wieder von Vorurteilen, Assoziationen, Amtswillkür, Sympathien und Antipathien und Aussagen von Dritten (ohne zu hinterfragen) leiten und treffen dabei eigene, nicht nachvollziehbare und zur Unzufriedenheit vieler Beteiligter Entscheidungen.

Wir würden uns wünschen, dass es mal ein Schuljahr gäbe, an dessen Ende es nicht diesen alljährlichen Ausklangs-Stress gibt, an dessen Ende die überwiegende Mehrheit zufrieden in die Sommerferien geht. Dafür bräuchte es allerdings entscheidungskompetente Funktionäre, derer wir in unseren Schulen und Schulaufsichtsbehörden nicht allzu viele vorfinden. Nun könnte einer sagen: Na komm, dann mach es doch besser. Steig selber auf und entscheide dann vernünftiger und sorgfältiger und berücksichtige gelernte Kriterien für eine gute Entscheidungsfindung. Das Problem ist nur, dass man gute Lehrer allerorts in unseren Regionen als fleißige Arbeitsbienen summen lässt, Entscheider werden grundsätzlich immer die anderen. Wen wundern da noch die Entscheidungen?

LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela

 

 

 

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2 Gedanken zu “Entscheidungen zum Schuljahresende

  1. Es gibt diese Schuljahre. Als ich an meiner Schule anfing, war die Atmosphäre dort total entspannt, vieles war möglich, der Zusammenhalt der Kollegen machte viele Entscheidungen auf dem kleinen Dienstweg einfach. Schleichend hat ein zerfall eingesetzt und irgednwann ist es gekippt. Inzwischen ist die psychische Belastung im Lehrerzimmer kaum auszuhalten. Und es liegt bei uns nicht allein an Entscheidungen von oben oder ganz weit oben – nein, ich habe meine Kollegen genau beobachtet, es gibt einzelne Streithähne, Meckersäcke, Intrigenluder, die ganz gezielt den Druck erhöhen, einzelne Kollegen ins Abseits drängen, die Schulleitung durch Halbwahrheiten und auch Lügen ins schlechte Licht rücken. Innerhalb von einem Jahrzehnt ist das passiert. Aber ich erinnere mich noch an die Jahre, als wir uns alle gemeinschaftlich dem Lehren widmeten und mit den Wirren der Schulbehörden klarkamen.

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