E-Mails, nein danke…

Liebe Leser,

unser verehrter Blogkollege Herr Mess hat zu einer Blogparade aufgerufen. Nur kein Stress! nennt er seinen neuesten Beitrag und trifft damit sicher einen wunden Punkt im Lehrerdasein.

Wir trafen uns am Wochenende, alle drei. Dieses Mal unternahmen wir gemeinsam mit unseren Männern und Kindern einen Wochenendausflug nach Stuttgart. Schönes Hotel, die Wellnessangeboten umfangreich genutzt, wirklich sehr gutes Essen und ein wunderschöner Konzertbesuch bei Udo Lindenberg, während die Kids (sorry junge Erwachsene…) im Hotelpool plantschte – all das ließ uns die Entspannung aufs Gesicht bügeln, als wir die Heimreise antraten.

Wir fuhren zunächst noch alle zu Tamara, um das Wochenende bei einem Gläschen auf der Terrasse ausklingen zu lassen.

Als wir gerade anstießen meinte Tamara: „Na, mit der Entspannung ist es gleich vorbei, sobald ich meinen PC hochfahre.“

„Wieso das denn?“, hakte Ela nach.

„Na, weil mich sicherlich mindestens 50 E-Mails erwarten und alle bis heute Abend noch beantwortet sein wollen?“

„Wer bitte schickt dir 50 E-Mails?“, fragte nun Alexas Mann nach.

„Wir hatten ein verlängertes Wochenende! Da staut sich viel an bei Schulleitung und co.“ Tamara seufzte.

Und so begaben sich die drei Mädels vor Tamaras PC und checkten nacheinander die Schul-E-Mails.

Ergebnis:

Ela – 11 E-Mails von Kollegen, davon 2 von der Schulleitung

Alexa – 15 E-Mails ausschl. von Kollegen, 2 mit Aufforderung zur sofortiger Beantwortung

Tamara – 52 E-Mails, 37 von Kollegen, 35 von der Schulleitung, davon 39 mit Dringlichkeit hoch

Wow, wir waren geschockt, Tamara wurde geknuddelt, wir erinnerten uns an die Blogparade und legten los.

Ausgehend von zwei Leitfragen sollen wir uns zu folgendem äußern:

  • Welche Situationen im Schulalltag empfindest du persönlich als belastend?
  • Welche Strategien hast du dir zurecht gelegt, um mit derartigen Situationen zurecht zu kommen?

Wir empfinden als belastend:

  1. Teilweise mangelhafte Kooperation unter Kollegen

Meinungen gehen in unseren Kollegien und Teams oft auseinander, berufliche Vorstellungen liegen oft meilenweit entfernt von gemeinsamen Standpunkten. Wenn dann Professionalität verloren geht und Meinungen persönlich werden, empfinden wir das schon hin und wieder nervig bis hin zu stressig.

  1. Zeitraubende Veranstaltungen

Hiermit meinen wir unsinnige Konferenzen, Dienstbesprechungen und Teamsitzungen, die Tagesordnungspunkte in sich beherbergen, welche überflüssig oder vom Zeitumfang zu lang geplant sind oder in der Tat nicht auf einer solchen Veranstaltung besprochen werden müssten.

  1. Digitale Post

Uns erreichen täglich mehrere E-Mails von Kollegen und Mitgliedern der Schulleitung. Häufig wird der Button „Allen Antworten“ gedrückt und hat sämtlichen vorherigen Schriftverkehr an alle im Verteiler Aufgeführten mit im Gepäck. Das nervt, das stresst. Unter Druck gesetzt fühlt man sich dann, wenn einem schon beim Öffnen des E-Mail-Fachs rote Ausrufezeichen für hohe Dringlichkeit anleuchten. Festgestellt haben wir in der Recherche, dass wir an Wochenende tatsächlich die meisten E-Mails erhalten. Haben die anderen keine Hobbies?

  1. Medien

Wer kennt das nicht? Man will im Unterricht einen Film/eine Filmsequenz/ein Video schauen, aber bestellter Beamer/Fernseher/… sind nicht da oder kaputt. Schnell muss die Stunde umgestellt werden, was uns nach so vielen Dienstjahren nicht schockt oder aus der Ruhe bringt, aber es nervt.

Unsere Strategien:

zu 1. Wir sehen die Kunst darin, den Ton zu wahren und bei solchen Begegnungen, stets Privat und Beruf zu trennen und keine Vermischungen in Gesprächen aufkommen zu lassen. Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht verhindern und sind in der Regel als positiv anzusehen, da sie Diskussionen in Gang bringen. Was wäre das Leben langweilig, wenn alle einer Meinung sind? Nur laut werden und anschreien gehen für uns gar nicht. Wir sagen es unserem Gegenüber, dass er sich bitte mäßigen möchte, lächeln während Gesprächen und bleiben offen für Kompromisse. Und, wir versuchen uns nicht aufzuregen über aggressiv geladene Kommunikationen. Es lohnt nicht.
zu 2. Solche Veranstaltungen liegen nicht in unseren Händen, sie von der Tagesordnung her zu unterwandern. Wir nehmen auf solche Veranstaltungen Korrekturen, bereiten Unterrichtsstunden vor, lesen Buch oder Zeitung. Dienstpflicht besteht in der Regel zu solchen Veranstaltungen, aber man kann von Zeit zu Zeit auch mal schwere Kopfschmerzen haben, ganz plötzlich, um eins…
zu 3. Wir werden an den zukünftigen Wochenenden von Freitag 18:00 – Montag, 08:00 Uhr keine E-Mails mehr im Schulpostfach sichten. Wir haben uns vorgenommen, dieses den Teams bekanntzugeben und auf den Anspruch der freien Zeit am Wochenende hinzuweisen. Wir werden berichten, wie das klappt.
zu 4. Dazu haben wir schon Strategien entwickelt. Es gibt mittlerweile kleine Beamer, die kein großes Geld mehr kosten (kann man von der Steuer absetzen). Jede von uns hat sich einen gekauft. Ist das auszuleihende Medium weg, na und, stört uns nicht, lässt damit auch keinen Stress aufkommen.
Allgemein – wir nehmen bewusste Auszeiten war

– wir pflegen unsere Hobbies

– wir trinken an Vorabenden von Schultagen keinen Alkohol

– wir versuchen, unseren bedürfnisorientierten Schlafbedarf einzuhalten

– wir sagen bewusst auch mal nein zu Zusatzaufgaben, um unsere Freiräume nicht zu gefährden

– wir lachen viel, Lachen ist gesund

– wir reflektieren uns oft, auch über die Schüler und versuchen, aus Fehlern zu lernen

Besonders auf unser Vorhaben, am Wochenende der digitalen Schulpost den Kampf anzusagen, sind wir gespannt, wie sich dieses um- und durchsetzen lässt.

Liebe Grüße aus dem Lehrercafe verbunden mit einem Dank an Herrn Mess, der uns mit der Blogparade schöne Denkansätze geliefert hat.

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14 Gedanken zu “E-Mails, nein danke…

  1. Kurz: In der Lehrerkonferenz geht es auch nicht anders zu als im Schulunterricht. Vielleicht sollte die letzte Reihe zur Verschärfung des inneren Widerstands zukünftig Schiffe versenken spielen … Oder Skat. So wie früher in einem gewissen Fach, gegen dessen Besuch man sich nicht wehren konnte.
    Ich bin insbesondere gespannt darauf, wie Nummer drei funktioniert. Das ist ja insgesamt ein großes Problem der Arbeitswelt geworden.

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  2. Habt ihr keinen Personalrat? Bei uns wurde das gabnz einfach durch eine Dienstvereinbarung geregelt. – 2 mal die Woche emails checken – in den Ferien frei – wichtiges wird persönlich gesagt oder liegt im Fach. Klappt auch …

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  3. 52 Mails über das Wochenende und davon 39 mit hoher Dringlichkeit? Wow…! Das ich nach dem Wochenende viele Mails habe kenne ich, aber nicht in diesem Ausmass. Der Ansatz am Wochenende keine Mails zu beantworten finde ich super. Ich habe dazu längere Zeit jeweils die Abwesenheitsmeldung eingeschalten. Solange ich MO-FR maximal innerhalb eines Tages die Mails beantworte, meckert auch niemand darüber.

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  4. Hey, bin gerade auf dieses Blog gestoßen. Erstmal herzlichen Glückwunsch, endlich mal was aus RLP. Und dann so fantastisch.
    E-Mails, grauenvoll. Ich kann den Beitrag nur in seinem Inhalt bestätigen. Bei uns sind die Lehrerfächer (waren früher im Lehrerzimmer und so groß, dass ungefähr 5 Bücher übereinander gestapelt hineingepasst haben), im weitesten Sinn abgeschafft wurden. Es gibt jetzt nur noch im Sekretariat eine Holzwand mit Schlitzfächern (passt eine DVD rein), wo absolut wichtige Post reinwandern, wie z.B. Dienstpost. Alles andere läuft bei uns auch über E-Mail. Natürlich bekommt immer jeder alles in Form eines eigens dafür angelegten Schulverteiler im Sinne einer Transparenz. Ich werde bekloppt. Wir sind eine Schule mit mehreren Standorten, ich arbeite am Hauptstandort, was habe ich mit Regelungen für Pausenaufsichten am Standort 2 zu tun? Nichts, genau, aber ich bekomme trotzdem die E-Mails. Und das ist nur ein Beispiel dieses krankhaften Wahnsinns für die Unmengen digitaler Post, die ich täglich erhalte. Nach diesem Beitrag habe ich mal einen Durchschnittswert errechnet. Ich habe von Anfang Januar bis Ende Mai täglich (durchschnittlich) 9 E-Mails erhalten. Im Durchschnitt sind gerade mal 0,5 E-Mails für mich interessant oder weisen einen tatsächlichen wichtigen Informationsgehalt auf. Wie gesagt, ich werde bekloppt!!!
    Viel Glück bei eurem Vorhaben und berichtet unbedingt, was herausgekommen ist.

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    • Die Verkleinerung von Lehrerfächern kennen wir auch. Deine Durchschnittsrechnung ist sehr interessant. Müssen wir auch mal machen. Für dich löst ein E-Mail Verteiler natürlich noch mehr Frust aus bei einer Schule mit mehreren Standorten.

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