Dr. Stefanie Hubig – eine Juristin als Bildungsministerin?

apple-256264_640„Sagt mal, gab es bei euch auch solche Diskussionen über die Neue?“, fragte uns Tamara.

„Welche Neue?“

„Na, Frau Hubig. Bei uns wurde ganz schon heftig diskutiert über sie.“

„Ach so“, meinte Alexa. „Die meinst du. Nö, ein paar komische Anmerkungen, sonst nichts. Was wurde denn `diskutiert`?“

„Ich bitte euch, eine Juristin im Bildungsressort! Was soll das denn?“, blickt uns Tamara stirnrunzelnd entgegen.

Nun diskutierten auch wir.  Als Nachfolgerin von Frau Reiß weißt die 47-jährige Hubig wahrlich keinerlei Bezug zum Ressort Bildung auf, fachliche Expertisen bezgl. Bildung fehlen im Lebenslauf. Als Frankfurterin ist sie weder in Rheinland-Pfalz zur Schule gegangen noch hat sie hier studiert. Ihre bisherigen beruflichen Tätigkeiten beziehen sich ausschließlich auf die Juristerei. „Es sei ein Irrglaube, Kompetenz daran festzumachen, ob jemand in einem Bereich über Jahrzehnte gearbeitet habe…“, meinte Ministerpräsidentin Dreyer kürzlich in einem Interview und preist Frau Hubig als eine Frau mit großer Führungserfahrung an. Vielen Bildungsorientierten bereiten solche Aussagen verständlicher Weise zunächst Kopfschmerzen, Äußerungen wie „…Sachkompetenz spielt bei der Besetzung eines politischen Amtes eh` keine Rolle…“ oder „…komisch, bei einer Ministerbesetzung spielt die Qualifikation zur Ausübung des Amtes nicht die primäre Rolle, wieso dann bei mir, wenn ich mich auf Führungspositionen bewerbe? …“ kommen schnell auf.

Was sagt Frau Hubig zu ihrer Ernennung? Sie bezeichnete ihre neue Aufgabe als große Herausforderung und nannte auch gleich den Kita-Ausbau und die Schaffung von mehr Eigenverantwortung der Schulen als wichtige Punkte ihrer zukünftigen Arbeit. „Bildung ist ein Thema, das uns ja alle angeht, es ist ur-sozialdemokratisch.“, sagte sie im selbigen Interview.

Sicher, Bildung geht uns alle an. Jeder von uns genießt in seinem Leben Bildung. Aber reicht diese Einstellung aus, einem solchen Amt gerecht zu werden?

Zum Ende unserer Diskussion sind wir uns einig, dass man jedem in seiner neuen Aufgabe eine Chance lassen sollte, sich zu profilieren bevor man ihn von vornherein verurteilt. Mit Frau Hubig wurde eine Ministerin gefunden, die auf Logik und Sachverstand geeicht ist, die strukturiertes und aufarbeitendes Tätigsein gewohnt ist und eine, die sich in rechtlichen Dingen bestens auskennt und bei schwierigen Fällen nicht erst die Rechtsabteilung des Hauses mit einbeziehen muss. Von daher: hoffen wir doch auf Frau Hubig, hoffen wir darauf, dass sie als völlig neutrale und sachfremde Person den Apparat durchblickt, analysiert und aufräumt. Vielleicht ergeben sich aus ihrer Tätigkeit tatsächlich am Ende für die Bildung des Landes positive Veränderungen, denn die hat RLP dringend nötig.

Viele Grüße aus dem Lehrercafe

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11 Gedanken zu “Dr. Stefanie Hubig – eine Juristin als Bildungsministerin?

  1. Sehr beruhigend zu erfahren, dass Fachwissen oder berufsspezifische Erfahrungen so unwichtig sind. Gut, BaWü hatte ja auch ewig eine Bildungsministerin, die gerade mal so ein Abitur geschafft hat, von daher: Willkommen im Club! 😉

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  2. Jeder kann sich in alles einarbeiten. So die Devise der SPD und einiger Verbände. Ich finde, wir sollten dass auf alle Branchen ausweiten. Ich wäre gespannt zu sehen, wie Frau Hubig plötzlich Angst bekäme, wenn man ihr mitteilen würde, dass der Hausmeister des Krankenhauses sie heute am Knie operiert.

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  3. Wenigstens kennt sich Frau Hubig mit der Justiz aus, falls irgendwelche Eltern-/Lehrerverbände mal nicht mit ihrem Vorgehen einverstanden sind. 😀
    Unsere, also die niedersächsische, Bildungsministerin Frau Heiligenstadt kommt auch nicht aus dem Bildungssektor und man sieht, was das für Niedersachsen für Folgen hat (angestrebte Änderungen im Schulsystem, G8-/G9-Debatte und nun das Mathematikabitur). Allerdings darf natürlich nicht vergessen werden, dass gerade ihre Partei bzw. das Parteiprogramm und die Wahlversprechen oft eine Mitschuld tragen…

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  4. Ich finde es generell bedenklich, dass immer mehr Bereiche von Juristen dominiert werden. Aber unabhängig davon kann ein Blick von außen auf manches Thema vielleicht nicht schlecht sein. Und gerade bei der Bildung meint ja manchmal jeder, er sei Experte, der schon mal eine Schule besucht hat. Vielleicht hängt es mehr davon ab, wie das Beraterteam aufgebaut ist, und wie beratungsresistent die Ministerin ist.
    Hat sich Eure Meinung nach nun fast einem Jahr denn verändert?

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    • Liebe Tanja, nein leider nicht. Frau Dr. Hubig ist eine sehr blasse Figur im Bereich der Bildung geblieben. Es bewegt sich leider nichts durch sie, was positiv hervorzuheben wäre. Wir haben sie auch mittelerweile persönlich kennenlernen dürfen bei einer Tagung. Sie hat uns beim Treffen sehr enttäuscht. Vielleicht erwarten wir auch zuviel von diesem Amt, mag sein. Aber in ihrer Funktion als Repräsentantin ist sie unserer Meinung nach völlig fehlbesetzt. LG Alexa und danke fürs Nachfragen und das damit verbundene Interesse an unseren Beiträgen

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